Jott

Persönlich kennengelernt haben Jott und ich uns beim Provinz 2018 Meetup, bei dem viele der zuletzt veröffentlichten Serien entstanden. Wir zwei fanden damals allerdings keine Zeit für eine gemeinsame Arbeit. Abgesehen von Jotts wunderbarer Make-Up-Arbeit für die Fotos mit Katha und Normen.

Mitte August besuchte ich sie dann schließlich in ihrer Leipziger Wohnung. Eine offene, lichtdurchflutete Wohnung, die unter anderem von vier Katzen und vielen Pflanzen bewohnt wird. Nur die Wolken machten uns die ersten drei Stunden einen kleinen Strich durch die Rechnung. Als wir dann trotzdem einen Kleinbildfilm gefüllt hatten und ich schon wieder auf halbem Weg zu Bahnhof war, fiel mir an einer Ampel auf, dass ich meinen Pulli vergessen hatte. Also noch mal zurück. Und siehe da – strahlender Sonnenschein und die dazugehörigen Schattenspiele der Fensterrahmen und Pflanzen.

Ich packe noch einmal meine Mamiya aus, lege einen frischen Portra 800 ein und wir schießen schnell noch zehn Fotos. Wie sich nach dem Entwickeln herausstellt, macht dieser letzte Film den Hauptteil dieser Serie aus. Darunter mischen sich ein Foto auf 400-TX und zwei Fotos aus der Nikon FG auf Kodak Gold 200.

Grethe II

Während die Sonne mir Mitte Mai schon die Haut verbrennt, ist das Wasser noch eisig kalt. Grethe und ich gönnen unseren Beinen eine kleine Abkühlung und meine Mamiya küsst hin und wieder fast die spiegelglatte Oberfläche des kühlen Nass. Ganz vorsichtig blicke ich durch den Lichtschachtsucher, stelle scharf, löse aus ‒ während die Reflektionen der Kaustiken des Cospunder Sees zuckende Muster auf Grethes Arme und Beine zeichnen.

Katha & Normen

Es ist schon fast Mitternacht, als ich von meinem nächtlichen Shooting mit Helene von den Heuballen zurück ins Haus komme. Jott bereitet schon das Make-Up für Katha und Normen vor, als ich in die warme Stube komme. Ein paar Absprachen später fädle ich den Ilford Delta 3200 ins Magazin.

Das Set besteht aus einem schmalen Stück schwarzen Tuchs, das gerade so die Fläche hinter den beiden abdeckt. Ich nutze das 140mm Objektiv und leuchte Katha und Normen langsam ein. Ein einfacher Aufsteckblitz mit Softbox auf einem Stativ genügt. Der moderne Fernauslöser funktioniert auch hervorragend an der über 30 Jahre alten Kamera. Zugegebenermaßen schieße ich ein paar Testfotos mit meiner 5D Mark II. Dauerlicht wäre mir lieber gewesen – so hätte ich auf diese Testschüsse verzichten können. Aber nun gut.

Durch die halb offen stehende Tür klingen noch Musik und Stimmen aus dem großen Gemeinschaftsraum unserer Unterkunft. Wir hören über meine kleine Box selbst noch etwas Musik, sind konzentriert trotz aller Müdigkeit. Wir alle haben einen fotoreichen Tag hinter uns. Aber der Gedanke, der mich zu diesen Fotos bringt, lässt mich und auch die beiden vor meiner Kamera noch etwas durchhalten.

Ich stelle mir diese Fotos als eine Art Covershooting für ein imaginäres Musikduo vor. Elektro. Experimentell. Düster und konzeptionell changiert die Musik im Wechsel mit musikalischen Traumelementen. Und das sollen die Fotos bei aller deutlichen Darstellung der Menschen auch zeigen. Klare Kanten, starke Kontraste und ein grobes Korn mischen sich teilweise mit Unschärfe und Blicken ins Leere.

Mamiya RZ67 Pro II
Ilford Delta 3200
Scans vom Negativ

Helene II

Ich glaube es sind etwa 5°C, als Helene ihren Mantel auszieht und sich auf den ebenso kühlen Boden vor die Wand aus aufgetürmten Heuballen stellt. Flankiert von Jana und Maren, die mit Wärmflasche und Decke bereitstehen, um Helene zwischen den Aufnahmen zumindest ein bisschen aufzuwärmen. Tanja hilft mir beim Wechsel der Objektive und Rückteile im Dunkeln. Wir sind auf freiem Feld. Nirgends eine Laterne. Nur die Taschenlampen unserer Smartphones helfen uns, uns zu orientieren.

Ich schieße ein paar digitale Testfotos, um besser einschätzen zu können, wie sich das Licht des Blitzes auf dem Körper und zusammen mit dem Hintergrund verhält. Nachdem alles eingeschossen und Helene schon ansatzweise durchgefroren ist, können wir anfangen die ersten Bilder auf Film zu bannen. Wieder dienen die Handylichter von Jana und Maren zum Einstellen der Schärfe und des Bildausschnitts im Dunkel der Nacht. Dann die Klamotten weg, alle aus dem Bild, 3, 2, 1 – Schuss. Und alles wieder zurück. Kamera spannen, neuen Bildausschnitt suchen und das ganze wieder von vorn.

Nach etwa einer Stunde in der Kälte packen wir unsere Sachen. Helene hat noch ein zweites Shooting an der “frischen Luft” vor sich und ich freue mich auf eine kleine Session mit Normen und Katha im Haus. Es ist kurz vor Mitternacht.

Danke für deine Geduld und dein Durchhaltevermögen Helene. Und danke für eure Hilfe Jana, Maren und Tanja.

Mamiya RZ67 Pro II
Kodak Portra 400
Scans vom Negativ

Ivana

Ivana und ich lernen uns auf dem Foto-Meetup #Provinz2019 in Mecklenburg-Vorpommern kennen. Dabei wohnen wir schon seit einigen Jahren praktisch Tür an Tür. Sie in Leipzig, ich in Halle. Getroffen oder gar gemeinsam fotografiert haben wir bis dahin noch nie.

Am Foto-Wochenende in der Provinz fotografieren wir ein kleines spontanes Set im Wald, das mich nicht 100% zufrieden zurück lässt. Ich habe Ivana irgendwie in einem anderen Setting vor meinem geistigen Auge und wir verabreden uns für einen Tag in der Woche nach dem Treffen für Fotos in Halle. Ein lustiger Umweg, der uns in unmittelbarer Nähe zu meinem Zuhause in Halle wieder zusammenführt.

Es ist noch etwas frisch an diesem Tag im Februar und das kühle Licht bricht sich nur diffus und schattenlos im kalten Beton. Ivanas pastellgelbes Top durchbricht die kühlen Blautöne und die Farben des Portra 400 geben den Fotos einen ganz eigenen Charakter.

Mamiya RZ67 Pro II
Kodak Portra 800
Ilford Delta 3200
Scans vom Negativ