Laura

Lauras wehende Haare im Wind. Lauras melancholischer Blick über das Hafenbecken. Und es ist, als würde sie direkt in die Kamera sehen, als würde die Kamera direkt in sie hineinsehen. Ohne, dass wir Blicke wechseln.

Hamburg Haltestelle Baumwall. Laura wartet schon auf mich, als ich die Treppen vom Bahnsteig herunter komme. Wir treffen uns zum ersten Mal, nachdem wir auf Instagram schon seit längerem sporadisch Kontakt haben. Eigentlich wollten wir mal eine ganz andere Serie zusammen umsetzen. Aber das geht wegen Corona nicht. So wird es also ein Shoot in der milden Herbstluft der Hamburger Hafencity. Das Licht könnte aus meiner Sicht fast nicht besser sein.

Eigentlich habe ich immer eine kleine Story parat, die ich den Menschen vor meiner Kamera mit auf den Weg gebe, wenn wir ins Shooting starten. Zum daran Festhalten. Eine Story, die wir in diesen Bildern vielleicht ein wenig erzählen. Wenn sie nachher niemand aus den Bildern liest ist das nicht schlimm. Aber es verdichtet für uns den Moment während des Fotografierens. Es sind keine großen Geschichten, keine Erzählungen, in denen ich großes Schauspiel erwarte oder überhaupt möchte. Vielmehr vermitteln sie eine Stimmung, eine Idee dessen, was mir als Bilder durch den Kopf schwebt. Denn es kann müßig sein, Bilder zu erklären.

Nicht so an diesem Tag. Keine Story in meinem Kopf. Nur eine sehr diffuse Stimmung. Keine Location, nur ein leerer Horizont, der vor meinem Geistigen Auge noch nicht gefüllt ist. Und Laura, mit der es leicht ist zu lachen. Aber dann entsteht da, direkt am Geländer zum Hafenbecken, diese Stimmung vor meinen Augen. In der Kamera genau der richtige Film.

In der Mamiya steckt ein Fuji Pro 400 H, den ich bis dahin noch nie ausprobiert hatte, aber speziell für diese Fotos ausprobieren wollte. Das bedeckte Hamburger Wetter an diesem Dienstag im Oktober harmoniert vor meinem geistigen Auge wunderbar mit den etwas kühleren Tönen, die der Fuji singt. Ein leichter Grünstich in den Mitten und trotzdem ziemlich warme und natürliche Hauttöne. So kommt er auch in Einklang mit dem Cinestill 800T, der noch in der EOS 5 steckt. Dieser ist noch etwas kühler, blauer, eben abgestimmt auf Kunst- und nicht Tageslicht. Aber: It’s a match!