Jo & Marina

Nachdem ich im vergangenen Herbst ein paar Tage in Barcelona arbeiten war, habe ich ein paar freie Tage drangehängt. Bei meinen ausgedehnten Spaziergängen durch die Straßen der Stadt habe ich einige schöne Ecken entdeckt, interessante Menschen gesehen und viele Fotos gemacht.

An einem gemeinsamen Abend mit meinem Airbnb Host Jo und seiner Freundin Marina habe ich die beiden kurzerhand gefragt, ob sie für ein paar Fotos mit mir auf einen Spaziergang gehen würden. Gesagt getan. Einen Tag später laufen wir im späten Abendlicht durch die Straßen von El Poble Sec. Aus den Lebensmittel- und Drogerie-Läden und Restaurants scheint das Licht in die engen Gassen. Wir haben nur Zeit für ein paar wenige Fotos, bevor es ganz dunkel wird.

Irene

Es ist früher Nachmittag und die spätsommerliche catalanische Sonne Barcelonas gibt noch einmal alles, um mich zu rösten. Irene kommt kurz nach mir im Park hinter dem Museu Nacional d’Art de Catalunya an. Wir hatten uns verabredet und teilen die Faszination für die Fotografie.

Nach guten Gesprächen im kühlenden Schatten brechen wir auf, um unsere Bahnen zu erwischen. Unterwegs fällt mir auf den Stufen vor dem Museu National eine Ecke auf. Die Wand ist grün bewachsen und die letzten Strahlen des Abendlichts werfen durch die schmalen Blätter und Äste scharfkantige Schatten ins Nichts. Irene fängt die Schatten auf und ich fülle die verbleibenden 12 Bilder auf meinem Kodak Gold mit dem, was ich sehe.

Dann brechen wir schließlich auf in Richtung des Plaça de Josep Puig i Cadafalch, um uns zu verabschieden und zu unseren Bahnen zu laufen. Es ist mein vorletzter Tag in Barcelona, der hier zu Ende geht.

Karen II

Bevor ich meinen Zug von Halle nach Leipzig nehme, um zum Studio zu kommen, kaufe ich am Bahnhof noch schnell eine Flasche Mate und eine kleine Schachtel frischer Himbeeren. Zum Großteil etwas matschig. Aber es ist ja auch nicht gerade Saison und für meine Fotos brauche ich nur fünf oder sechs halbwegs in Form gebliebene Exemplare.

Nachdem wir das erste Set auf der Couch geshootet haben, zieht Karen sich um und wir verlegen das zweite Set an das, von der schon tief stehenden Nachmittagssonne, erleuchtete Fenster. Etwas dreckig. Macht aber nichts.

Es ist das erste Shooting mit meiner Mamiya, in dem ich bei allen Bildern den Fokus hundert Prozent so treffe, wie ich ihn treffen will. Das ist ohne Dioptrien ausgleichende Linse im Lichtschacht und mit Brille nicht immer ganz einfach. Hier ging es wie von Zauberhand.

Mamiya RZ67 Pro II / Kodak Portra 400 / Kodak Portra 800 / Fuji FP-100C
Nikon FG / Kodak Gold 200

Franziska

Meinen Oktober verbrachte ich dieses Jahr in München. Ein lehrreicher Monat voller neuer Eindrücke und Erfahrungen, die mich beruflich einen guten Schritt weitergebracht haben. Neben der Zeit, die ich bei ARRI Media als VFX Artist arbeitete, habe ich ein Wochenende im schönen Rosenheim verbracht, wo ich alte Freunde der Familie besucht habe. Etwa zwanzig Jahre dürfte mein letzter Besuch zu dem Zeitpunkt her gewesen sein. Aber es war, als wäre ich vor zwei Wochen das letzte Mal hier gewesen.

Als ich am Abend ins Bett gehe, voll mit Bildern der nahegelegenen Alpen und Wälder, fiel mir ein, dass Franziska – ein Model, das ich 2016 kurz auf dem fokus-Meetup kennengelernt hatte – in Rosenheim wohnt. Also kurzerhand angeschrieben, ob sie am nächsten Tag Zeit und Lust hätte, sich vor meine Kamera zu stellen.

9:30 am nächsten Morgen. Das Frühstück und der Kaffee sind noch nicht ganz heruntergeschluckt, da holt mich Franzi schon ab und wir fahren in ein nahegelegenes Waldstück. Schnell noch die Filme eingelegt und nach 20 Minuten ist das Spektakel auch schon wieder Vergangenheit. Franzi fährt nach München zu einem Workshop, ich nehme ein paar Stunden später den Zug zurück nach München.

Karen

Eigentlich wollte ich zu diesen Fotos einen Songtext posten, den ich einem Lied entrissen hätte. Ganz deep und artsy. Nach einigem Suchen, Ausprobieren, Ansehen, Anhören und Durchlesen wirkte alles was ich fand weniger unterstützend, als viel mehr zwanghaft übergestülpt. Da war Nantes von Beirut, Golden Brown von The Stranglers, Camarillo Brillo von Zappa oder auch Pretty Face von Sóley. Alles nichts Passendes. Alles nichts, was den Bildern eine weitere Ebene geben würde. Was also tun?
Text weglassen? Reduzieren. Kein Songtext. Keine Musik. Einfach nur die Bilder für sich. Warum auch nicht?

Karen und ich trafen uns schon im Sommer 2017 in Halle für Fotos. Vor zwei Wochen lese ich ihre Nachricht auf Instagram: Sie ist in Leipzig. Ob ich Lust auf ein Shooting habe? Ja. Natürlich habe ich Lust. Ich bestelle sofort neue Farbfilme. Eine Woche später treffen wir uns in Leipzig. Beide leicht verspätet aber nicht in Hektik. Die wäre bei einem Shooting wie diesem fehl am Platz. Ich mache Musik an ‒ Jefferson Airplane und Konsorten ‒ Karen zeigt mir zwei Outfits. Es ist eine schnelle Entscheidung: Cordhose und schulterfreies Oberteil. Ein Hauch Retro. Während wir uns unterhalten und Karen dezentes Make-Up auflegt, lege ich den Portra 800 ein und rücke ein paar Pflanzen zurecht. Nach 10 Fotos und einem ein Sofortbild ist die erste Serie im Kasten. Outfitwechsel. Im Hintergrund Frank Zappa.