Barcelona

Ich reise eigentlich nicht so viel. Aber hin und wieder genieße ich das Privileg, Jobs zu bekommen, die mich zum Arbeiten rund um den Globus schicken. Diesmal ging es nicht ganz so weit weg, sondern “nur” ein paar Tausend Kilometer gen Süden nach Barcelona. Die Chance nutze ich natürlich mal wieder und hänge noch ein paar Tage Urlaub an den Job.

Begleitet hat mich dabei, wie schon in Lissabon, meine AE-1 mit ein paar Rollen Kodak Gold 200. Auf dieser Reise entstanden auch die Fotos von Irene, Jo und Marina.

Emy II

Mindestens 35 °C im Schatten. Die Klimaanlage im gemieteten Ford Fiesta ringt mit der Außenwelt um jedes Grad, während Emy und ich in Richtung See tuckern. Ziel ist eine nahegelegene Wiese – vertrocknet von der tagelangen Trockenheit. Die Disteln recken wie gierende Hände ihre pinken Blüten in den Himmel, die dünnen Grashalme wiegen sanft und beige-braun gefärbt in den leichten Böen dieses Tages.

Wir fackeln nicht lange: Emy springt barfuß durch die stachelige Wiese, ich lege einen Film in die Kamera ein. In diesem Moment schiebt sich sehr behäbig eine mächtige Wolke vor den Heizstrahler da oben. Na gut. Keine Schatten also. Auch nach einiger Zeit macht der ungebetene Schattenspender keine Anstalten, uns das Licht wiederzugeben. Es ist mittlerweile früher Abend, doch der Stand der Sonne und die Hitze lassen vermuten es sei Mittagszeit. Wir verschießen noch einige Filme. Mehrere Kodak Gold, 18 Jahre abgelaufene Rollen Kodak Portra 160 VC und ein Kono Monsoon.

Die verschiedenen Filme sorgen auch für die unterschiedlichen Farben in diesem Set. Man könnte sie anpassen … ooooder … man lässt es so und lässt so die Filme ihre eigenen Geschichten erzählen. Entwickelt und gescannt wurde von den wunderbaren Menschen von nimmfilm.de in Leipzig. Andreas rief mich an, als er feststellte, dass die abgelaufenen Portras recht deutliche Verfärbungen zeigen: Ob er die Filme auf eine halbwegs korrekte Hauttonwiedergabe bearbeiten oder sie so belassen solle, wie sie seien. Ich nehme die korrekten Hauttöne. Ein wunderbarer Service! Da mache ich doch gern ungefragt und kostenlos Werbung.

Licht x Flächen

Gesehen und fotografiert im Februar 2020 auf Kodak Gold.
Bei meinem letzten Leipzig-Besuch vor dem Lockdown.

Nina

Ohne Titel. Ohne Worte. Und mal wieder was Digitales.

Sommer 2019, Hufeisensee Halle.

Emy

Ruhe, Schwerelosigkeit, Verläufe vom Licht ins Dunkel. Silouhetten lösen sich auf, Flächen geben sich sanft die Hand. Unter Wasser verschwimmen die Konturen. Das Licht bricht unscharf auf der Haut und unten bleibt kühle Dunkelheit. Ein paar Luftblasen suchen sich zitternd ihren Weg an die Oberfläche, während Emy sanft in die Tiefe gleitet. Auf dem Brustkorb Druck. Die Arme treiben nach oben, den Blasen folgend. Als die Luft knapp wird, löse ich noch zwei Mal aus und wir tauchen wieder auf ins Licht der untergehenden Sonne.

Nach einer Fotosession in der drückenden Hitze des Augusts 2020 in einem See bei Halle.

Das Hemd hat keine Knöpfe!

Karl und ich kennen uns seit fast 10 Jahren. Er ist einer meiner besten Freunde und uns verbinden viele schöne und weniger schöne Erlebnisse. Schon seit einer gefühlten Ewigkeit reden wir darüber, warum wir eigentlich noch nie gemeinsam Fotos gemacht haben. Letzte Woche hat es uns dann gepackt. Mit einem Spezi und einer Mate in den Händen, einem frisch verputzten Döner im Bauch und ein wenig Sonne im Nacken treibt es uns nach einem Spaziergang in das derzeit leerstehende Zimmer meiner WG (call us!).

Nur eine knappe Stunde fotografieren wir mit viel Gelächter, mehr oder weniger stilvoller Musik und der offenen Balkontür in meinem Rücken. Gerade als ich den zweiten Film einlegen will, entscheiden wir uns, es bei diesen 36 Bildern zu belassen. Eine in sich geschlossene Rolle Film – nur für Karl. Den Film habe ich noch am selben Abend voller Ungeduld entwickelt und gescannt.

Lotti

Als wir uns nach einem kurzen Ampel-Gespräch tschüss sagen, geht meine kurzentschlossen gerufene Frage im Straßenlärm und der Hektik unter: “Hättest du eigentlich mal…” – Autos. Ich schreibe Lotti kurze Zeit später eine Nachricht.

Wenige Tage später machen wir gemeinsam meine ersten Fotos seit dem Lockdown. Zumindest die ersten in einer Fotosession mit einem Menschen vor meiner Kamera. Ich bin überglücklich.

Entwicklung und Scan des 120mm Kodak Portra 400 von nimmfilm.de
Entwicklung und Scan des 35mm Kodak Gold 200 von mir.

Nina

Kurz vor dem Lockdown vor einigen Monaten, haben Nina und ich uns in die wohlig feuchte Wärme eines Gewächshauses eines Botanischen Gartens begeben. Ein Test. Ein Test für das eigentliche Shooting, das relativ kurze Zeit später dort stattfinden sollte. Denkste. Was vorerst bleibt, sind diese Fotos auf Film, die ihren ganz eigenen Charme in sich tragen und in ihrer Ruhe gemeinsam kurz innehalten.

Lissabon

Seit meinem Besuch in Lissabon ist über ein Jahr vergangen. Es war die erste Reise, auf der mich ausschließlich eine analoge Kamera begleitet hat. An der Nikon FG meines Papas hängt mir zu viel Emotion. Die Canon AE-1 musste herhalten als meine zuverlässige Begleiterin. Dazu vier Rollen Kodak Gold und ab die Post.

Der inspirierend triste Hostel-Hinterhof mit Retro-Laufband und trocknender Wäsche in der kühlen April-Brise, ein Café, in dem ich einige Seiten las, die Fähre an einem verhangenen Tag, Lichtspiele im Bahnhof Santa Apolonia und die charakteristischen Fassaden der Altbauten Lissabons bilden die visuelle Essenz meiner Erinnerungen an die wenigen Tage in Portugal.

Leipzig, Neujahr 2020

Wie Laub im Herbst.
Ist aber Dreck. Von Böllern.

Visuelle Notizen an Neujahr 2020. Leipzig.

Mamiya RZ67 Pro II
Kodak Portra 160vc, +1 Stop

Jason & Freya II

“Über den Dächern greift die Sonne die Dunkelheit an, heißt heute war heftig, doch heute land’ ich und gestern will in mein Bettchen, heißt will schlafen will nichts mehr essen, will ratzen. Einer der letzten des Abends, verstecke mich vor den Strahlen.

Hände in den Taschen, Sohle auf kaputter Flasche, ich trinke noch einen Schluck und stöck die feuerrote Asche. Schau wie sie fliegt, die Wolken leuten rosa/rot, ich habe keine Energie, habe mich ausgetobt.

Mein Gesicht ist wie taub, meine Jacke riecht nach Rauch, meine Hände sind so ungeschickt ich lache sie aus. Taumel ohne Beistand auf zwei Beinen, die nicht mehr laufen können. Ich glaube ich schlafe tagelang wenn ich erst nach hause komm’.”

Kobito & Sookee – Augen zu

Mia II

Visuelle Notiz mit Robinie und Brust.

Mia, Leipzig, August 2019

Jason & Freya

Nun, wo der Lockdown kurz bevorzustehen scheint, habe ich etwas Zeit Arbeiten aus den vergangenen Monaten zu veröffentlichen. Was hemmt, sind häufig die Texte, für die es mir in letzter Zeit an Muße und Ruhe fehlte.

Jetzt, da mich meine Kameras traurig von der Seite anzusehen scheinen, ob der Durststrecke, die zu kommen droht, will ich mich wenigstens dem widmen, was bereits entstanden ist. Wie zum Beispiel diese Fotos mit Freya und Jason im vergangenen Sommer.

Ich kenne Jason schon seit einiger Zeit. Doch mehr als ein paar Bewerbungsfotos habe ich von ihm bisher nicht geschossen. Als er mich ein halbes Jahr vor dem Shooting anspricht, freue ich mich sehr. Er will Freya dieses Shooting schenken und hofft, dass ich Lust habe, mit den beiden zu arbeiten. Einige Monate später sehen wir uns in einer Hallenser Wohnung von Freunden wieder und ich begleite die beiden mit meiner Kamera. Ausnahmsweise mal wieder digital.

Ich danke euch für euer Vertrauen.

Karen III

Seit unserem Shooting sind mittlerweile schon wieder 3 Monate vergangen. Und dieser Beitrag mit dem letzten Set von Karen, das auch am Shootingtag den Abschluss bildete, fristete seit dem sein tristes Dasein zwischen veröffentlichten und nicht veröffentlichten Beiträgen mit vielen anderen Fotos.

Im letzten Jahr entstanden so viele Fotos mit so vielen tollen Menschen, die ich euch alle nicht vorenthalten möchte. Doch immer wieder geht es mir, zwischen neuen Fotoshootings, Job, Freelancer-Arbeiten und Sozialleben, durch die Lappen, das auch alles hier zu posten. Und so wird das wahrscheinlich auch bleiben mit dieser Herzenssache, in der ich mich so gerne verliere.

Mamiya RZ67 Pro II
Kodak Portra 400

Mia

“Wasn’t thinking of paying attention
Just sat my feet down and started runnin’
Kept to myself – most of the time
All the while thought of nothin’
Next to nothing
Next to nothing”

All Them Witches ‒ Internet?

Jo & Marina

Nachdem ich im vergangenen Herbst ein paar Tage in Barcelona arbeiten war, habe ich ein paar freie Tage drangehängt. Bei meinen ausgedehnten Spaziergängen durch die Straßen der Stadt habe ich einige schöne Ecken entdeckt, interessante Menschen gesehen und viele Fotos gemacht.

An einem gemeinsamen Abend mit meinem Airbnb Host Jo und seiner Freundin Marina habe ich die beiden kurzerhand gefragt, ob sie für ein paar Fotos mit mir auf einen Spaziergang gehen würden. Gesagt getan. Einen Tag später laufen wir im späten Abendlicht durch die Straßen von El Poble Sec. Aus den Lebensmittel- und Drogerie-Läden und Restaurants scheint das Licht in die engen Gassen. Wir haben nur Zeit für ein paar wenige Fotos, bevor es ganz dunkel wird.

Irene

Es ist früher Nachmittag und die spätsommerliche catalanische Sonne Barcelonas gibt noch einmal alles, um mich zu rösten. Irene kommt kurz nach mir im Park hinter dem Museu Nacional d’Art de Catalunya an. Wir hatten uns verabredet und teilen die Faszination für die Fotografie.

Nach guten Gesprächen im kühlenden Schatten brechen wir auf, um unsere Bahnen zu erwischen. Unterwegs fällt mir auf den Stufen vor dem Museu National eine Ecke auf. Die Wand ist grün bewachsen und die letzten Strahlen des Abendlichts werfen durch die schmalen Blätter und Äste scharfkantige Schatten ins Nichts. Irene fängt die Schatten auf und ich fülle die verbleibenden 12 Bilder auf meinem Kodak Gold mit dem, was ich sehe.

Dann brechen wir schließlich auf in Richtung des Plaça de Josep Puig i Cadafalch, um uns zu verabschieden und zu unseren Bahnen zu laufen. Es ist mein vorletzter Tag in Barcelona, der hier zu Ende geht.

Karen II

Bevor ich meinen Zug von Halle nach Leipzig nehme, um zum Studio zu kommen, kaufe ich am Bahnhof noch schnell eine Flasche Mate und eine kleine Schachtel frischer Himbeeren. Zum Großteil etwas matschig. Aber es ist ja auch nicht gerade Saison und für meine Fotos brauche ich nur fünf oder sechs halbwegs in Form gebliebene Exemplare.

Nachdem wir das erste Set auf der Couch geshootet haben, zieht Karen sich um und wir verlegen das zweite Set an das, von der schon tief stehenden Nachmittagssonne, erleuchtete Fenster. Etwas dreckig. Macht aber nichts.

Es ist das erste Shooting mit meiner Mamiya, in dem ich bei allen Bildern den Fokus hundert Prozent so treffe, wie ich ihn treffen will. Das ist ohne Dioptrien ausgleichende Linse im Lichtschacht und mit Brille nicht immer ganz einfach. Hier ging es wie von Zauberhand.

Mamiya RZ67 Pro II / Kodak Portra 400 / Kodak Portra 800 / Fuji FP-100C
Nikon FG / Kodak Gold 200