Alex + Malou III






Als Malou und Alex im Bett liegen verliere ich mehr und mehr das Gefühl, dass die beiden sich nicht kennen könnten. Ich denke besser gesagt kaum mehr darüber nach, sondern finde immer häufiger und natürlicher die ruhigen Momente die zwischen Worten und der eigentlich so künstlichen Situation liegen.

Während Malou Alex mit ihrer Nähe zu beschützen scheint, bewege ich mich um die beiden herum. Dann fängt mich Malou mit ihrem Blick über Alex’ Nacken hinweg ein. Und ich löse noch einmal aus. Im Hintergrund läuft leise die Musik weiter.

Lydia III





Als wir an der Saale entlang nach Hause fahren, entdecken wir die Felsen. Wir halten sofort an. Ich hole meine Kamera heraus, das 35mm noch auf der Kamera. Das Licht ist schwach, die Blaue Stunde ist schon vorbei und es wird langsam kühler. Lydia steigt auf den Felsen und wir haben nicht viel Zeit, das spärliche Licht noch zu nutzen. Als wir kurze Zeit später unsere Sachen packen, ist es schon dunkel.

Annemarie V








Der Sommer ist mittlerweile lange vorbei. Die Temperaturen lassen die Niederschläge zu Schnee werden und auf den Straßen tritt sich matschig das Laub der nun kahlen Bäume fest. Dieser Trübe setze ich warme Bilder entgegen. Annemarie genießt im vergangenen Juli auf dem Balkon die Nachmittagssonne. Die Haut ist leicht gebräunt, die Haare wehen im sanften Wind. In der Küche nimmt Annemarie noch einen Schluck Wasser aus dem halb vollen Glas und macht es sich bequem. Ich begleite sie mit der Kamera.

Was ich sonst noch so zu diesen Bildern zu erzählen habe, findet Ihr auf Seite 204 / 205 im Buch.
Diese Serie ist eine der wenigen, wenn nicht sogar die erste, aus der anderweitig Bilder veröffentlicht wurden, bevor ich sie auf meinem Blog und meiner Seite zeige.

Seit gestern darf ich außerdem den Jugendvideopreis Sachsen-Anhalt als dritte Auszeichnung für meinen Film “malu” zu meinen Preisen zählen. Yeah! An dieser Stelle auch noch einmal ein fettes Dankeschön an das ganze Filmteam und auch an die Jury des Videopreises.

Alex + Malou II








Als wir die ersten Fotos geschossen und die beiden miteinander in ihren Rollen aufgegangen sind, tauschen wir die trockene Heizungsluft im Zimmer gegen ein bisschen frische Herbstluft von draußen. Alex verlässt das Zimmer, Malou dreht sich eine und ich absorbiere den Moment. Ich merke wieder: Ich brauche die Fotografie.

Die beiden stehen auf dem Balkon und rauchen. Das weiche Gegenlicht zeichnet die Konturen der Körper nach und die beiden tauchen wieder in diese tiefe Vertrautheit, die mich angesichts der Umstände beeindruckt. Malou legt ihre Arme um Alex und der kalte Wind auf dem Balkon im dritten Stock lässt beiden eine Gänsehaut überlaufen.

Dann wird es langsam zu frisch und wir gehen zurück in das warme Zimmer, wo das frisch bezogene Bett wartet.

Fortsetzung folgt…

Lydia II







Lydia steht da so. Zwischen dem Geäst. Und ich stehe da auch so. Zwischen dem Geäst. Während es zu versuchen scheint, Lydia greifen zu wollen, scheint sie stumm mit ihrer Umwelt zu verschmelzen und sie in sich aufzusaugen. Eine Maus gibt sich die Ehre als Zaungast im Laub und lässt sich von uns nicht weiter irritieren.

Alex + Malou


 


Ein Mittwoch in einer der letzen Wochen. Draußen ist Herbst. Die Bäume werden kahl, die Luft frischer und das Licht an diesem Tag hat eine trübe Kühle. Es mischt sich mit der Wärme der Glühlampen im warmen Zimmer. Alex und ich räumen noch zwei, drei Dinge von A nach B – Malou kommt ein bisschen später.

Der Dienstagabend davor. Die zweite Runde Bier ist angebrochen. Wir stecken gemeinsam unsere Erwartungshorizonte ab. Gleichen ab und fühlen vor, wie wir uns das gemeinsame Shooting am nächsten Tag vorstellen. Kein Diskussionsbedarf. Wir ticken gleich.

Ich schlürfe noch meinen letzten Kaffee für diesen Mittwochmorgen aus und im Hintergrund dreht sich die LA Woman LP der Doors auf dem alten Sony Plattenspieler, als Malou kommt. Das Zimmer ist warm, die Luft dick und voller Erwartungen. Aber alle sind den Umständen entsprechend entspannt. Denn wenn ich ehrlich bin, sind die beiden kein Paar. Genauer gesagt kennen sie sich zum Zeitpunkt des Shootings erst seit sechs Tagen…

Fortsetzung folgt…

Lydia






Es ist Herbst geworden. Das Laub an den Ästen wird langsam gelb und die ersten Blätter bedecken den Boden. Anfang September wärmen noch die letzten Sonnenstrahlen am Abend durch die Lücken des Dickicht. Als wir die ersten Bilder einfangen, sieht uns aus zwei Meter Entfernung eine Maus aufmerksam zu. Sie lässt sich durch uns nicht weiter beeindrucken. Die Äste und Stämme der Büsche um uns herum scheinen Lydia festhalten zu wollen. Ganz vorsichtig. Das Laub unter den Füßen raschelt. Hin und wieder bricht ein dünner Zweig unter einem unserer Schritte.
Es wird kühler.

Annemarie III







Das Shooting mit Annemarie liegt nun mittlerweile mehrere Wochen, ja schon Monate zurück. Wie eine halbe Ewigkeit fühlt es sich an. In der Zwischenzeit ist – zumindest fotografisch – nicht allzu viel passiert. Dafür umsomehr abseits davon. Zwischenzeitlich war ich eine Woche in Amsterdam auf einer Messe arbeiten und durfte eine Woche später für sieben Tage Seattle besuchen. Nebenbei habe ich verschiedene interessante Gespräche mit interessanten Menschen geführt und bin nun gespannt, was die nächsten Monate für mich bereit halten. Bisher kann ich mich jedenfalls nicht beschweren.

Nun aber zurück zu Annemarie. Zu unserem Shooting. Nachdem Annemarie und ich uns auf dem Balkon zum Hinterhof eine Pause in der Sonne gegönnt haben, gehen wir ins Schlafzimmer der Altbauwohnung mit den hohen Decken und den großen alten Doppelfenstern. Die Luft im Zimmer legt sich warm und dick um die noch wärmere Haut. Annemarie setzt sich unter das geöffnete Fenster zum Hof, durch das die warme Sommerluft hineinsickert. Annemarie lehnt sich ans Fensterbrett und genießt die Momente der Ruhe, während ich sie dabei fotografiere.

PS: Am 31.10. erscheint das Buch “Das authentische Porträt”, in dem einige meiner Fotos neben denen einiger anderer wunderbarer FotografInnen abgedruckt sind. Dazu erzähle ich immer etwas zur Entstehungsgeschichte. Sowohl technisch als auch hinsichtlich meiner Herangehensweise bei einem Shooting. Ihr könnt den etwa 300 Seiten starken Schinken jetzt schon hier beim Rheinwerk Verlag vorbestellen. Außerdem werde ich nach Erscheinen ein Exemplar verlosen. :)

Nina III

Von der lauten, vollen Straße an einen ruhigeren, ungestörteren Ort. Mein Hinterhof. Eine kleine, etwas angeranzte, grüne Oase. Das Blätterdach, das die Sitzecke überspannt ist ein bisschen löchrig. Aber ich erspähe im hinteren Eck eine Stelle, die mir gefällt. Die Mittagssonne ist hier nicht so stark und durch die Blätter schimmer ihr Licht grünlich auf den hellen Steinen. Nina zieht sich etwas dunkleres an. Jetzt gibt es da nur noch das Licht und sie. Es ist, als wollten die Lichtflecken die klare Silouhette von Ninas frisch rasiertem Kopf abtasten. Fühlen, wer sich da zwischen sie und die Wand stellt. Dann ist da noch das Licht, das durch das größere Loch fällt und die Konturen von Ninas Gesicht betont und sanft neu zu zeichnen scheint. Und es ist ruhig. Nur im Hintergrund hört man noch die nahegelegene Großbaustelle, den Verkehr, die Menschen.

Annemarie II

Wir unterhalten uns, im Hintergrund läuft leise José Gonzalez und Annemarie lässt die Hüllen fallen. Durch die geöffnete Balkontür strömt die warme Sommerluft in die helle Küche. Ganz ungezwungen, fast wie selbstverständlich lehnt Annemarie an der Arbeitsplatte, das Glas Wasser in der Hand. Ich begleite das Geschehen still und versuche beim Fotografieren zu sehen, was im Kopf von Annemarie vorgeht. Es fühlt sich an, wie der Morgen nach einem guten Abend mit ein paar Wein. Gerade ist sie frisch aus dem Bett geklettert, um den schalen Geschmack auf der Zunge mit einem Glas Wasser herunterzuspülen und die trockenen Lippen zu benetzen. In Gedanken geht sie den vergangenen Abend durch. Die Musik. Die Getränke. Die Begegnungen. Die Nacht.

Jacquelyn II

English version below.

Wir streiften so durch die Straßen. Wir fanden hier und dort Locations. Der Hinterhof, in dem die Bilder hier entstanden, schenkte uns dann wirkliche Ruhe vor dem Gewusel der Stadt. Scheinbar eine Insel inmitten von Menschen, Autos, Cable Car und Geschäften. Wir verbringen hier ein paar Momente und ich kann auch meinen Rucksack für kurze Zeit mal absetzen und in die Ecke stellen.

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Gregor II

Als Gregor und ich unseren Tee leer getrunken haben, brechen wir wieder auf und laufen durch die nassen Straßen Halles. Die Mägen knurren etwas, als wir die Dönerbude in der Nähe der Oper entdecken. Köfte stehen auf dem Programm und wir bestellen uns jeweils eine Portion. Das licht ist kühl und hell. Jede Ecke des kleinen Ladens scheint gnadenlos ausgeleuchtet zu sein. In der Ecke über dem Eingang hängt ein kleiner Fernseher, auf dem eine Dokumentation über Deutschland im Mittelalter läuft. Es riecht, wie es in einer Dönerbude eben riecht: würzig.

Charlotte






Dass dieses Shooting ein besonderes wird, deutete sich schon in den digitalen Vorgesprächen an. Da schwang viel Kreativität und Tatendrang mit. Ein Schwingen auf der gleichen Wellenlänge.

Am Morgen des 4. März treffen wir uns und gehen in die Wohnung eines Freundes. Erst starten wir unsere Session drinnen. Fenster auf, Blick zur Straße, im Hintergrund Autos und Menschen. Generell nicht schlecht. Aber das Gefühl fehlt im Raum. Irgendwie.
Das Dach. Das Dach, auf dem ich schon Fotos und Teile eines Films gemacht habe. Es wird zum Retter des, aus fotografischer Sicht, etwas holprigen Shooting-Starts. Darum heißt es Sachen packen: fünf Stockwerke höher steigen. Dann den Wind im Gesicht spüren.

Als Charlotte dann die Böen durch die langen blonden Haare wehen, lichtet sich der gräuliche Schleier der anfänglichen Unsicherheit. Wir verstehen uns, lachen, machen Späße. Die Kamera versteht uns scheinbar auch und wir ignorieren den kühlen bis kalten Wind. Und mit “wir” meine ich weitestgehend mich. Den Gänsehaut-Dress trägt Charlotte. Ich eine dicke Jacke. So ist das manchmal. Aber Charlotte bleibt hart. Jammert nicht. Will die Bilder genauso sehr wie ich. Nach einiger Zeit packen wir unsere Sachen und steigen wieder herunter…

Es war ein besonderes Shooting. Dass wir uns eine Woche später schon wieder trafen sagt vieles darüber aus. Da wird noch mehr kommen. Wir sind uns sicher.

Danke, Charlotte. Bis bald!

Azaria III









Das letzte Set von Azaria. Es entsteht, als draußen die blaue Stunde schon fast ihr Ende gefunden hat und nur noch die Lampe das Zimmer erhellt. Aus einer spontanen Laune entscheiden wir uns, noch eine kleine Serie ans Ende unseres Shooting zu hängen. Es sind die letzten Aufnahmen des Tages und ich bin froh über unsere Entscheidung.

Gregor

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Zwei Freunde, Schietwetter und Köfte. Herz, was willst du mehr? Eine Kamera dabei vielleicht? Nagut.

Gregor und ich sind, seit wir an der Burg unser Studium begonnen haben, mittlerweile gut vier Jahre befreundet. Nachdem wir immer wieder darüber geredet hatten, wann, wo und wie ich ihn fotografieren könnte, hat es vor kurzem endlich geklappt. Bei Nieselregen, dichter Wolkendecke aber mit guter Laune und Motivation streunen wir los. Die LuWu runter, dann – die ersten Bilder im Kasten – auf einen Tee und ein bisschen Wärme ins Colonne Morris. Und danach? Hunger…

Wie es weitergeht und was es mit Köfte und einem Dönerimbiss auf sich hat, erfahrt ihr nach der nächsten Maus… oder so.

Katharina


Als Katharina am zweiten Abend ankommt, machen wir beim Essen ein Shooting für den nächsten Tag aus. Über Nacht hat es ordentlich geschneit und ich bereite die Location für unsere kurze Session vor. Katharina hat sich noch schnell den Turbostaat-Hoodie von Daniel übergezogen und stiefelt durch das kühle Weiß vor die hölzerne Wand. Es ist nicht viel Platz um uns herum, doch wir machen das Beste daraus. Zwischendrin kommt uns Katharinas Hund Findus besuchen, guckt kurz zu und geht wieder. Dann noch ein paar letzte kleine Schüsse, die Serie ist im Kasten und Kat kan sich drinnen wieder die Füße aufwärmen.

Jenny





Spontanes Schilfgeflüster mit Jennifer Zinke. Jenny steht eigentlich auch eher hinter als vor der Kamera. Doch als wir gerade ein paar Minuten Zeit haben und die Sonne langsam sinkt, machen wir uns los. Fünf Minuten Fußweg trennen unsere Unterkunft von der Location im Schilf. Wir bahnen uns behutsam unseren Weg durch die hohen Halme, die Kamera um die Schulter hängend. Die Stimmung ist entspannt, der Wind pfeift uns um die Nasen und ich wandere, auf der Suche nach verschiedenen Blickwinkeln, um Jenny herum. Dann löse ich aus. Eins, zwei, drei… dann noch ein paar Male.
Danke, Jenny.

Wer sehen will, was sie so Wunderbares durch die Kamera sieht, guckt sich am besten ihre Facebook-Seite an.

Amy II






Vorletzter Tag auf Rügen. Ein Sonntag. Wir fahren zusammen über die Insel Richtung Westen, halten an einem Kiefernwald, den wir am Tag zuvor schon “entdeckt” hatten und lassen ihn, miteinander redend, auf uns wirken. Zusammen mit Björn und Nico ziehe ich für eine kleine Serie los, für die Nico und ich Modell laufen. Lustig ist es und ich warte darauf, mein zweites Kurzshooting mit Amy machen zu können, die gerade noch von Martin Neuhof fotografiert wird.

Dann, ein paar Momente – das Shooting mit Björn, ein paar Sonnenstrahlen und zwei, drei Brisen Wind im Gesicht später – ist es soweit. Amy steht vor mir im, stellenweise lichtdurchfluteten, Wald. Es ist ruhig und die trockenen Kiefernnadeln knistern federnd unter den Füßen. Der Boden ist noch leicht feucht als ich mich hinlege, um die Perspektive zu wechseln. Für Amy, die sonst hauptsächlich für Portraits fotografiert wird, ist es schön, nach langer Zeit wieder Ganzkörperaufnahmen zu machen. Sie schützt sich mit ihren Armen vor der kühlen Brise, die leicht durch die weit auseinander stehenden Kiefern weht.

Eine ältere Dame läuft mit ihrem Hund vorbei und lässt uns, mit einem Blick auf Amy, murmelnd wissen: “Der Hund wird ja ganz apart.” Was auch immer sie uns damit sagen wollte… wir haben gelacht.

Danke, Amy.

Dani








Als wir am Abend des 23. Oktober in unserer Unterkunft auf Rügen ankommen, steigen wir, nach einer rund fünfstündigen Fahrt, aus Danis 1er BMW. Das Licht atemberaubend, die Luft das Gegenteil. Es duftet nach Meer und die frische Seeluft strömt das erste Mal tief in die Stadtlungen. Zu lange ist es her und ich fühle mich sofort angekommen, will ans Meer. Wir packen unsere Sachen aus und spontan entscheiden Dani und ich uns, noch am selben Abend ein Shooting zu starten.

Die Sonne geht unter und berührt schon den Horizont, als wir am schmalen Strand ankommen. Das Schilf wiegt sich in der leichten Brise und Danis Haare scheinen das, von Freiheit durchströmt, genau so zu genießen, wie ich. Ich nähere mich Dani langsam mit meiner Kamera, löse aus und die Sonne sinkt langsam weiter. Die Hüllen fallen vorsichtig und das Tuch bietet Schutz vor der Kälte. Ich löse wieder aus. Danke, Dani!

Lea III




Ein letztes Set aus dem Früh-Morgens-Shooting mit Lea. Als wir gerade zusammenpacken, meine Kamera es sich schon wieder im Rucksack kuschelig gemacht hat, wandert mein Blick zu Lea, die gerade vor dem Sofa am Fenster steht. Das Licht fällt sanft und gleichzeitig kraftvoll formend durch das Fenster auf Lea. Ich packe schnell meine Kamera aus, halte fest, was ich sehe und packe dann endgültig für diesen Tag zusammen. Schön war’s. Und bestimmt nicht unser letztes gemeinsames Mal.
Danke dir, Lea.