Wilma II





Der Nachbar, der wutentbrannt seinen Balkon betritt, verweist uns mit harschem Ton „seines“ Daches und wir stehen kurz etwas perplex in der Kälte. Aber es ist ja nicht so, dass sich um uns herum nicht eine kleine Landschaft aus leicht gefrosteten Dächern erstreckt. Also Sachen gepackt. Etwas gekraxelt. Zack feddich – nächstes Dach. Auch gut.

Die Zäsur wirft uns aus dem Moment. Gar nicht so schlecht eigentlich. Das kann man nutzen. Also ändern wir ein paar Kleinigkeiten. Wilma lässt den Mantel fallen und ich reiche ihr einen breiten, grauen Schal. Die -10°C merke ich ihr nicht an. Meine Finger hingegen, sind mittlerweile rot und von der Kälte steif. Wilma jammert nicht, ist auf eine besondere Art und Weise bei sich. Ich muss nur wenig sagen, damit wir uns verstehen und sehe in der Situation die Bilder, die ich nur noch einfangen muss.

Und dann hebt Wilma die Arme und den Schal…

Maida

Schon am ersten Tag fiel mir die türkise Holzwand ins Auge, als wir eine Hausführung von Daniel bekamen. Maida hingegen war mir schon in der Planungsphase zu #fokus16 aufgefallen. Am ersten Abend spreche ich sie an und wir verabreden uns für ein kleines Shooting am nächsten Tag. Treffpunkt: vor der türkisen Wand.

Der einsetzende Schneefall, am Mittag des zweiten Tages auf dem #fokus16 Fotomeetup, tut der Shootingmotivation keinen Abbruch – eher im Gegenteil. Die dicken Flocken machen sich gut im Bild. Maida wählt das passende Outfit, ich den entsprechenden Bildschnitt. Wir verstehen uns ohne viele Worte, lachen und werden wieder ernster.

Im einen Moment will ich etwas sagen und einen Augenblick vorher hat Maida es irgendwie wohl schon gefühlt und den Kopf geneigt, den Blick in die Kamera gelenkt oder die Hände in die Taschen gesteckt. Die Bilder scheinen ihren Weg wie von selbst in die Kamera zu finden. Ich fokussiere, suche meinen Bildausschnitt und lasse ihn wieder fallen. Zwei Schritte zurück, einen nach rechts. Blick durch den Sucher – und da ist er dann, der richtige Blickwinkel. Jetzt nur noch auslösen. Danke für’s Frieren, Maida.

Sabine II




Biene. Ohne Sonnenbrille. Ohne Mantel. Mit Gänsehaut. Mit Schmuck von mischas jewellery. Mit Festivalbändchen und einem Gesicht, in dem man lesen möchte, das aber doch im nächsten Moment so unnahbar wirkt. Der Scheißegal-Blick, der sich abwechselt mit Tiefe und Persönlichkeit. Jenseits der Norm, im Diesseits der Sympathie. Vielschichtig, könnte man kurz sagen. Und das ist nicht nur auf Bienes Äußeres bezogen.