Celina II

Bevor wir das zuletzt veröffentlichte Set shooten und dafür das Haus verlassen, machen meine alte Freundin Celina und ich es uns in der Küche gemütlich. Kaffee und, zumindest für sie, Kippen. Das Wetter lässt uns schon einen kleinen Vorgeschmack auf den nicht mehr all zu fernen Sommer probieren. Es ist der erste Februartag, doch die Temperaturen sind mild. Durch die offene Küchentür kommt kühle Luft in die Wohnung. Zusammen mit weichem Licht, das in Celinas markantem Gesicht sanft die klaren Kanten definiert.

Maryam

Schon in meinen Aachener Zeiten war das Café Kittel immer wieder ein Ort für gesellige Ruhe, guten Kaffee und kühles Bier. Mit Maryam treffe ich mich an meinem Besuchstag in der regnerisch-diesigen Kaiserstadt. Wir haben uns damals kennengelernt, in den letzten Jahren ein bisschen aus den Augen verloren und vor einiger Zeit auf Instagram wiedergefunden.

Seitdem schrieben wir dann und wann. Und dann trafen wir uns nach über 5 Jahren wieder. Beide verändert. Äußerlich wie innerlich. Aber nach wie vor auf einem Level. Nach wie vor fähig, gemeinsam mehrere Stunden mit Gesprächen zu füllen. Nebenbei trinken wir Kaffee und später Bier. Hier und da ein Foto. Die Gäste um uns herum gucken nur kurz und widmen sich dann wieder ihren Getränken, Laptops und GesprächspartnerInnen.

Draußen wird es dunkel. Das Licht schimmert noch einmal in kräftigem Blau und mischt sich mit dem Grün der Werbetafel im großen Schaufenster, in dem wir zwischenzeitlich sitzen. Während vor einer Stunde der Laden noch sehr voll, fast jeder Tisch besetzt war, sind nun einige der Gäste wieder gegangen. Die Tische um uns herum sind frei und die tief hängenden Lampen spenden ihr Licht in gelben Kegeln. Maryam sieht zur Kamera, wie zu einem Fremden am Tisch nebenan. Der, der da schon seit einer Weile sitzt und mit dem man etwas gemeinsam hat: die Zeit, die man in diesem Café verbringt. Eine vergängliche Begegnung, der man kurz Bedeutung beimisst und dann wieder vergisst. Aber der Moment ist lebendig und die Blicke werden es dadurch auch.

Vielen Dank für diesen schönen Nachmittag und Abend, dein Vertrauen und die guten Gespräche. Bis bald.

Frauke










Vergangener Mittwoch. Irgendwo in Krefeld. An der Haustür werden wir von Fraukes Katzen begrüßt. Die eine jagt quer durch die kleine Wohnung, die andere schnuppert kurz an mir und macht es sich dann auf meiner Reisetasche bequem. Soll sie ruhig. Frauke parkt noch schnell das Auto um und ich sehe mir schon einmal die Location für dieses Shooting an.

Zeitsprung: Wie kam es bis zu diesem Punkt? Frauke kennt ihr ja wahrscheinlich schon. Letztes Jahr im Dezember hat sie mich in Halle besucht. Diesmal war ich dran. Als ich am Dienstag auf der Rückreise von Amsterdam noch meine zwei alten Freunde Christian, alias “Der Grieche”, und Jan in Aachen besuche, bin ich gedanklich immer wieder beim Shooting am nächsten Tag. Es wird dunkel und der Grieche, Jan und ich gehen ein, zwei Cider trinken.

Um halb 11 am nächsten Morgen holt mich Frauke in der Nähe der Pontstraße mit ihrem roten Twingo ab, schnell Tanken, dann zur ersten Location. Die will mir nicht so recht gefallen. Nach langem Überlegen, wo man in Aachen sonst auf die Schnelle eine schöne Indoor-Location findet, brechen wir nach Krefeld auf. Auf der Fahrt reden wir viel, der Asphalt rauscht geräuschvoll unter den Reifen, begleitet vom heiseren Heulen des Motors. Wir kommen vor dem Haus der Wahl an, ich trage meine Sachen in den ersten Stock und werde dort von den Katzen begrüßt.

Und da sind wir wieder. Ich habe die Wohnung angesehen, Frauke hat mittlerweile Kaffee für uns beide aufgesetzt und ich schlürfe ihn genüsslich in Gedanken versunken. Werde immer wieder unterbrochen vom hektischen Kater. Dann starten wir mit den ersten Fotos. Wechseln die Location innerhalb der Wohnung und Frauke zieht sich das erste mal für die Kamera aus. Wir tasten uns langsam heran. Vorsichtig hier ein Foto, dann da eins. Alles scheint vertraut. Ganz natürlich. Dann löse ich aus und halte fest, was ich sehe und wahrnehme: innere Ruhe, Selbstbewusstsein, Kraft und nicht zuletzt nackte Haut.

Fortsetzungen folgen…