Leo + Alex

Vor einiger Zeit kamen Alex und Leo auf mich zu, inspiriert von meiner Strangers-Serie von 2016. Die beiden Freundinnen wollten zusammen eine intime Fotoserie shooten. Allerdings anonym. Anders als in der Fotostrecke von 2016 kannten sich die beiden in diesem Fall schon eine Weile länger.

An einem Freitagmorgen im Sommer treffen wir uns in der Wohnung einer Freundin. Ich lege mein Equipment zurecht. Alex und Leo suchen überlegen sich bei einem Schluck Sekt, was sie anziehen. Die anfängliche Schüchternheit und leichte Unsicherheit weicht nach kurzer Zeit intimer Nähe und Ungezwungenheit. Im wechselnden Tageslicht verwinden sich die beiden Körper zu einem Knäuel aus Gliedmaßen und Haaren. Vorsichtig fahren Hände und Finger über die Haut der anderen. Erkunden, fragen und entdecken ohne zu sprechen.

Für die beiden war es das erste Shooting und somit auch das erste Akt-Shooting überhaupt. Für mich war es die erste freie Arbeit seit dem Shooting mit Sarah im Februar. Nach über fünf Monaten Fotoabstinenz mit dieser Serie zu starten war eine willkommene Herausforderung für mich. Schnell fühlte sich die Kamera in meinen Händen wieder Vertraut an.

Während meiner Master-Zeit, in der ich meinen Abschlussfilm „The Inner I“ drehte, gab es keine zeitlichen und gedanklichen Kapazitäten über meine persönliche Fotografie nachzudenken, geschweigedenn ein Shooting zu planen. Dabei gingen mir leider auch schöne Shooting-Möglichkeiten durch die Lappen, auf die ich mitunter schon lange wartete. Umso schöner ist es, mit zwei Menschen wie Alex und Leo vor der Kamera einen Wiedereinstieg zu finden. Ich danke euch beiden sehr für euer Vertrauen, euer Durchhaltevermögen und das schöne Shooting. Es war mir eine Freude. :) Bis bald.

Frieda








 

 

Wollen wir uns täuschen lassen? Ist das „Echt“ wirklich wichtig? Oder ist es vielmehr die Ästhetik und Projektion unserer eigenen Wünsche und Erfahrungen, die uns fasziniert?

 

 

 

Jana V






Ein weiterer Nachzügler. Jana durfte ich im Februar letzten Jahres in Hamburg kennenlernen und fotografieren. Einige Sets aus unserem Shooting habe ich bereits veröffentlicht. Dieses hier ist anders. Die Haare zerzaust, der Ausschnitt des Bodys tief herunter gezogen. Nippelgate. Jana erkennt sich auf den Bildern selbst kaum wieder, als ich sie ihr Während des Shootings zeige. Aber es gefällt ihr. Und wir beschließen nach dieser Serie zufrieden die Taschen zu packen und den Tag ausklingen zu lassen. Beim Schritt aus dem Haus auf die Reeperbahn strömt mir kühle Luft in die Nase und ich mache mich auf den Weg zur Bahn.

Azaria II


Als in meinem Zimmer das Licht langsam zur Neige geht, schlage ich vor, kurz auf den Balkon meines Mitbewohners zu gehen, um zu sehen, ob das Licht dort besser ist. Und ja, es war besser. Die Tür halten wir erst noch geschlossen. Die schmutzigen Fenster brechen das Licht, das dann gedämpft, aber mit Kraft in das Zimmer fällt, als wollte uns die untergehende Sonne zeigen, was sie kann.

Azaria, die mir vorher im Auto noch gesagt hatte, dass Kälte nicht ihr bester Freund wäre, tritt mit mit ihren nackten Füßen schließlich auf den kalten Beton des Balkons. Unter ihr erstreckt sich der grüne Innenhof, umrandet von Backsteinbauten aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Hintergrund hören wir leise Autos und das alltägliche Rauschen der Stadt. Durch das gekippte Fenster meines Zimmers neben dem Balkon klingen weiterhin leise die Rolling Stones.

Die Abendsonne wärmt nur wie ein warmer, kurzer Hauch, die nackte Haut und Azaria bekommt Gänsehaut. Ein optisches Versprechen von Wärme, das nicht hält, was es verspricht. Ich suche den richtigen Ausschnitt, suche und suche, Azarias Füße werden kälter und die Gänsehautschauer weichen langsam aber sicher einer permanenten Gänsehaut. Dann finde ich, was ich suche und fange es ein, bevor es weg ist.

Lisa

Lisa ist mir schon vor längerem aufgefallen, als sie als Model noch aktiver aufgetreten ist. Dass sie, die ich ebenso lange fotografieren möchte wie ich ihre Fotos kenne, jetzt auch mit auf dem fokus16 ist, ist ein wunderbarer Zufall. Durch ihre derbe und sehr laute Art ist sie mir ab dem ersten Moment sympathisch und wir wissen, dass wir zusammen shooten werden.

Tags drauf finden wir uns im Gewächshaus wieder. Anfänglich tun wir uns noch etwas schwer, den richtigen Ausschnitt, die richtige Stelle in der Location zu finden, lassen uns Zeit, quatschen und lachen und finden dann, als Lisa schon fast ganz durchgefroren ist, den Ort der Begierde. Die Konturen von Lisa’s athletischem Körper werden von dem Licht nachgezeichnet, das durch das teilweise schneebedeckte Glasdach fällt. Wir machen Faxen und ich versuche bei aller Ruhe, die ich für meine Fotografie haben möchte, Lisa möglichst zügig wieder ins Warme schicken zu können. Aber sie hält eisern durch und ich höre auf, mir darüber größere Gedanken zu machen.

Frauke II







Vor kurzem wurde ich im Blog von hapa-team als Fotograf des Monats September gefeatured. Jetzt haben sie mir zwei Objektive zukommen lassen, mit denen ich experimentieren darf. Lensbabys sind mir schon seit langem ein Begriff; getestet habe ich allerdings noch nie eines. Zur Auswahl standen mir das Sweet 35 und das Edge 80. Mit letzterem muss ich wohl noch warm werden. Mit dem 35er entstanden die Bilder auf eine ungewohnt vertraute Weise natürlicher. Für Daniel habe ich es, auf seine Nachfrage hin, so formuliert: Es befreit ungemein, damit zu arbeiten – es macht Mut zur Unschärfe. Das Objektiv hat es mir endlich mal möglich gemacht, Unschärfe so zu verwenden, wie ich es mir wünsche.

Ich mag keine Vignetten. Keine übertriebenen Post-Production-Unschärfen. Keine Bouquet-Unwetter. Ich mag es schlicht, ruhig und gerade raus. Aber das Lensbaby kitzelt da etwas aus mir heraus, was ich bisher so nicht kannte, aber in etwa in dieser Form immer schon mal erreichen wollte. Und das freut mich. Es ist ein ganz neuer Ansatz und eine andere Art und Weise, die Welt vor meiner Linse wahrzunehmen und festzuhalten. Vielleicht mache ich Zukunft mal mehr solche Sachen. Je nachdem, wie mir danach ist.

Bei Frauke war mir danach. Ihren Körper, die Ecken und Kanten, die Rundungen und Flächen, das Wesen so zu entdecken war neu für mich. Akt-Shootings hatte ich ja nun schon ein oder zwei. Aber das hier war irgendwie anders. Jedes Drehen, jedes Neigen der Optik gab ein ganz neues Bild preis. Und ich durfte das festhalten. Für mich. Für Frauke und letztendlich für euch.

Während ich das hier schreibe, sitze ich im Colonne Morris in Halle. Hier habe ich Frauke zuletzt vor einem knappen Jahr bei unserem ersten gemeinsamen Shooting fotografiert. Das waren emotionale Fotos und emotionale Momente damals. Aber es war schön. Blicke ich zurück auf das letzte Treffen in Krefeld vor einer Woche, hat sich einiges geändert. Das Selbstbewusstsein, mit dem Frauke vor meiner Kamera liegt und sitzt ist neu. Und es ist gut. Für sie, für die Fotos für mein Gefühl beim Fotografieren.

Ich danke dir noch einmal für dein Vertrauen und sage: Fortsetzung folgt…

Frauke










Vergangener Mittwoch. Irgendwo in Krefeld. An der Haustür werden wir von Fraukes Katzen begrüßt. Die eine jagt quer durch die kleine Wohnung, die andere schnuppert kurz an mir und macht es sich dann auf meiner Reisetasche bequem. Soll sie ruhig. Frauke parkt noch schnell das Auto um und ich sehe mir schon einmal die Location für dieses Shooting an.

Zeitsprung: Wie kam es bis zu diesem Punkt? Frauke kennt ihr ja wahrscheinlich schon. Letztes Jahr im Dezember hat sie mich in Halle besucht. Diesmal war ich dran. Als ich am Dienstag auf der Rückreise von Amsterdam noch meine zwei alten Freunde Christian, alias „Der Grieche“, und Jan in Aachen besuche, bin ich gedanklich immer wieder beim Shooting am nächsten Tag. Es wird dunkel und der Grieche, Jan und ich gehen ein, zwei Cider trinken.

Um halb 11 am nächsten Morgen holt mich Frauke in der Nähe der Pontstraße mit ihrem roten Twingo ab, schnell Tanken, dann zur ersten Location. Die will mir nicht so recht gefallen. Nach langem Überlegen, wo man in Aachen sonst auf die Schnelle eine schöne Indoor-Location findet, brechen wir nach Krefeld auf. Auf der Fahrt reden wir viel, der Asphalt rauscht geräuschvoll unter den Reifen, begleitet vom heiseren Heulen des Motors. Wir kommen vor dem Haus der Wahl an, ich trage meine Sachen in den ersten Stock und werde dort von den Katzen begrüßt.

Und da sind wir wieder. Ich habe die Wohnung angesehen, Frauke hat mittlerweile Kaffee für uns beide aufgesetzt und ich schlürfe ihn genüsslich in Gedanken versunken. Werde immer wieder unterbrochen vom hektischen Kater. Dann starten wir mit den ersten Fotos. Wechseln die Location innerhalb der Wohnung und Frauke zieht sich das erste mal für die Kamera aus. Wir tasten uns langsam heran. Vorsichtig hier ein Foto, dann da eins. Alles scheint vertraut. Ganz natürlich. Dann löse ich aus und halte fest, was ich sehe und wahrnehme: innere Ruhe, Selbstbewusstsein, Kraft und nicht zuletzt nackte Haut.

Fortsetzungen folgen…