Azaria II


Als in meinem Zimmer das Licht langsam zur Neige geht, schlage ich vor, kurz auf den Balkon meines Mitbewohners zu gehen, um zu sehen, ob das Licht dort besser ist. Und ja, es war besser. Die Tür halten wir erst noch geschlossen. Die schmutzigen Fenster brechen das Licht, das dann gedämpft, aber mit Kraft in das Zimmer fällt, als wollte uns die untergehende Sonne zeigen, was sie kann.

Azaria, die mir vorher im Auto noch gesagt hatte, dass Kälte nicht ihr bester Freund wäre, tritt mit mit ihren nackten Füßen schließlich auf den kalten Beton des Balkons. Unter ihr erstreckt sich der grüne Innenhof, umrandet von Backsteinbauten aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Hintergrund hören wir leise Autos und das alltägliche Rauschen der Stadt. Durch das gekippte Fenster meines Zimmers neben dem Balkon klingen weiterhin leise die Rolling Stones.

Die Abendsonne wärmt nur wie ein warmer, kurzer Hauch, die nackte Haut und Azaria bekommt Gänsehaut. Ein optisches Versprechen von Wärme, das nicht hält, was es verspricht. Ich suche den richtigen Ausschnitt, suche und suche, Azarias Füße werden kälter und die Gänsehautschauer weichen langsam aber sicher einer permanenten Gänsehaut. Dann finde ich, was ich suche und fange es ein, bevor es weg ist.

Xenia Avenir – Analog



Ich eröffne eine kleine Reihe von Linhof-Fotos mit Fotos, die schon seit langer Zeit auf meinem Rechner schlummern und die ich schon fast vergessen hatte. Die Linhof Technika 70, die ich vor ca. zwei Jahren bekommen habe, eröffnet mir eine neue Welt der Fotografie. Ein neues Gefühl und neue Wege, die ich gehen darf. Dieser Film hier war der erste, den ich mit dieser Kamera durchgeschossen habe und ich war sehr glücklich über diese beiden Ergebnisse. Der Tilt-Shift-Effekt ist zwar, durch die modellhaft anmutenden Stadt-Fotos, etwas überreizt worden, trotzdem finde ich, dass er für Portraits ein wunderbares Stilmittel abgibt, das es für mich in Zukunft noch zu erkunden gilt…

Es ist doch immer wieder schön, wenn man nur so wenig Fotos pro Film zur Verfügung hat und dabei dann gute Sachen entstehen. Bei acht Fotos pro 120 mm-Film überlegt man sich recht genau, wie man das Bild arrangiert. Da geht noch mehr und ich bin gespannt, wie das aussieht…