Annemarie III







Das Shooting mit Annemarie liegt nun mittlerweile mehrere Wochen, ja schon Monate zurück. Wie eine halbe Ewigkeit fühlt es sich an. In der Zwischenzeit ist – zumindest fotografisch – nicht allzu viel passiert. Dafür umsomehr abseits davon. Zwischenzeitlich war ich eine Woche in Amsterdam auf einer Messe arbeiten und durfte eine Woche später für sieben Tage Seattle besuchen. Nebenbei habe ich verschiedene interessante Gespräche mit interessanten Menschen geführt und bin nun gespannt, was die nächsten Monate für mich bereit halten. Bisher kann ich mich jedenfalls nicht beschweren.

Nun aber zurück zu Annemarie. Zu unserem Shooting. Nachdem Annemarie und ich uns auf dem Balkon zum Hinterhof eine Pause in der Sonne gegönnt haben, gehen wir ins Schlafzimmer der Altbauwohnung mit den hohen Decken und den großen alten Doppelfenstern. Die Luft im Zimmer legt sich warm und dick um die noch wärmere Haut. Annemarie setzt sich unter das geöffnete Fenster zum Hof, durch das die warme Sommerluft hineinsickert. Annemarie lehnt sich ans Fensterbrett und genießt die Momente der Ruhe, während ich sie dabei fotografiere.

PS: Am 31.10. erscheint das Buch “Das authentische Porträt”, in dem einige meiner Fotos neben denen einiger anderer wunderbarer FotografInnen abgedruckt sind. Dazu erzähle ich immer etwas zur Entstehungsgeschichte. Sowohl technisch als auch hinsichtlich meiner Herangehensweise bei einem Shooting. Ihr könnt den etwa 300 Seiten starken Schinken jetzt schon hier beim Rheinwerk Verlag vorbestellen. Außerdem werde ich nach Erscheinen ein Exemplar verlosen. :)

Frauke II







Vor kurzem wurde ich im Blog von hapa-team als Fotograf des Monats September gefeatured. Jetzt haben sie mir zwei Objektive zukommen lassen, mit denen ich experimentieren darf. Lensbabys sind mir schon seit langem ein Begriff; getestet habe ich allerdings noch nie eines. Zur Auswahl standen mir das Sweet 35 und das Edge 80. Mit letzterem muss ich wohl noch warm werden. Mit dem 35er entstanden die Bilder auf eine ungewohnt vertraute Weise natürlicher. Für Daniel habe ich es, auf seine Nachfrage hin, so formuliert: Es befreit ungemein, damit zu arbeiten – es macht Mut zur Unschärfe. Das Objektiv hat es mir endlich mal möglich gemacht, Unschärfe so zu verwenden, wie ich es mir wünsche.

Ich mag keine Vignetten. Keine übertriebenen Post-Production-Unschärfen. Keine Bouquet-Unwetter. Ich mag es schlicht, ruhig und gerade raus. Aber das Lensbaby kitzelt da etwas aus mir heraus, was ich bisher so nicht kannte, aber in etwa in dieser Form immer schon mal erreichen wollte. Und das freut mich. Es ist ein ganz neuer Ansatz und eine andere Art und Weise, die Welt vor meiner Linse wahrzunehmen und festzuhalten. Vielleicht mache ich Zukunft mal mehr solche Sachen. Je nachdem, wie mir danach ist.

Bei Frauke war mir danach. Ihren Körper, die Ecken und Kanten, die Rundungen und Flächen, das Wesen so zu entdecken war neu für mich. Akt-Shootings hatte ich ja nun schon ein oder zwei. Aber das hier war irgendwie anders. Jedes Drehen, jedes Neigen der Optik gab ein ganz neues Bild preis. Und ich durfte das festhalten. Für mich. Für Frauke und letztendlich für euch.

Während ich das hier schreibe, sitze ich im Colonne Morris in Halle. Hier habe ich Frauke zuletzt vor einem knappen Jahr bei unserem ersten gemeinsamen Shooting fotografiert. Das waren emotionale Fotos und emotionale Momente damals. Aber es war schön. Blicke ich zurück auf das letzte Treffen in Krefeld vor einer Woche, hat sich einiges geändert. Das Selbstbewusstsein, mit dem Frauke vor meiner Kamera liegt und sitzt ist neu. Und es ist gut. Für sie, für die Fotos für mein Gefühl beim Fotografieren.

Ich danke dir noch einmal für dein Vertrauen und sage: Fortsetzung folgt…