Mini

Eigentlich sollte es mich zwischen Ende August und Anfang September mit dem VW Bus nach Slowenien führen. Doch es kam leider alles anders als erwartet und ich brauchte kurzfristig eine Alternative. Weg aus Halle, raus aus dem Gewohnten. Nach vier Tagen in meiner fränkischen Heimat ging es über Münster nach Hamburg, wo mir die liebe Pi für ein paar Tage die Wohnung einer Freundin vermittelte.

Ich wollte mir von der norddeutschen Luft mal etwas den Platz zwischen den Ohren freipusten lassen, durchatmen, Freundinnen und Freunde treffen und – natürlich – ein bisschen fotografieren. Wenn es sich ergeben sollte.

Bei einem Bier mit Pi und Robin in der Flora überlegen wir, wer vor meine Kamera passen könnte. Ich frage Mini. Sie freut sich, wir verabreden uns und treffen uns einen Abend später an der Sternschanze und ziehen los. Halbwegs ziellos mit Limo und Bier in den Händen.

Zwischen Gesprächen, ein bisschen Spökes und den bunt strahlenden Lichtern der Hansestadt hole ich gelegentlich die Kamera heraus. Rotlicht vor dem Erotikkino. Kaltes Leuchtstoffröhren-Licht in einem vollgetaggten Hauseingang. Buntes Allerlei in einem Kiosk. Mini ist vor der Kamera praktisch immer in Bewegung. Der Blick mal hier und im nächsten Moment ganz woanders. Ich begleite uns mit der Kamera auf unserem Weg durch die Straßen.

Am Ende steigen wir nach ein paar letzten Fotos im S-Bahnhof St. Pauli in die U3, trinken noch ein Getränk in der Sofabar und verabschieden uns. Nicht, ohne uns gleich lose für ein nächstes Shooting zu verabreden. Ich komme jetzt wohl öfter vorbei, liebes Hamburg.

Danke und bis bald.

Annemarie III







Das Shooting mit Annemarie liegt nun mittlerweile mehrere Wochen, ja schon Monate zurück. Wie eine halbe Ewigkeit fühlt es sich an. In der Zwischenzeit ist – zumindest fotografisch – nicht allzu viel passiert. Dafür umsomehr abseits davon. Zwischenzeitlich war ich eine Woche in Amsterdam auf einer Messe arbeiten und durfte eine Woche später für sieben Tage Seattle besuchen. Nebenbei habe ich verschiedene interessante Gespräche mit interessanten Menschen geführt und bin nun gespannt, was die nächsten Monate für mich bereit halten. Bisher kann ich mich jedenfalls nicht beschweren.

Nun aber zurück zu Annemarie. Zu unserem Shooting. Nachdem Annemarie und ich uns auf dem Balkon zum Hinterhof eine Pause in der Sonne gegönnt haben, gehen wir ins Schlafzimmer der Altbauwohnung mit den hohen Decken und den großen alten Doppelfenstern. Die Luft im Zimmer legt sich warm und dick um die noch wärmere Haut. Annemarie setzt sich unter das geöffnete Fenster zum Hof, durch das die warme Sommerluft hineinsickert. Annemarie lehnt sich ans Fensterbrett und genießt die Momente der Ruhe, während ich sie dabei fotografiere.

PS: Am 31.10. erscheint das Buch „Das authentische Porträt“, in dem einige meiner Fotos neben denen einiger anderer wunderbarer FotografInnen abgedruckt sind. Dazu erzähle ich immer etwas zur Entstehungsgeschichte. Sowohl technisch als auch hinsichtlich meiner Herangehensweise bei einem Shooting. Ihr könnt den etwa 300 Seiten starken Schinken jetzt schon hier beim Rheinwerk Verlag vorbestellen. Außerdem werde ich nach Erscheinen ein Exemplar verlosen. :)