Jana V






Ein weiterer Nachzügler. Jana durfte ich im Februar letzten Jahres in Hamburg kennenlernen und fotografieren. Einige Sets aus unserem Shooting habe ich bereits veröffentlicht. Dieses hier ist anders. Die Haare zerzaust, der Ausschnitt des Bodys tief herunter gezogen. Nippelgate. Jana erkennt sich auf den Bildern selbst kaum wieder, als ich sie ihr Während des Shootings zeige. Aber es gefällt ihr. Und wir beschließen nach dieser Serie zufrieden die Taschen zu packen und den Tag ausklingen zu lassen. Beim Schritt aus dem Haus auf die Reeperbahn strömt mir kühle Luft in die Nase und ich mache mich auf den Weg zur Bahn.

Las Vegas, Los Angeles, San Francisco – USA 2016

 

Las Vegas

In den zwei Jahren, die ich für und mit fayteq arbeitete, hatte ich das große Glück reisen zu dürfen. Angefangen bei Amsterdam, über Las Vegas, LA, San Francisco, Seattle, Philadelphia und zurück über New York erstreckte sich meine Reise in kurzen Abschnitten innerhalb von zwei Jahren. Den fotografischen Anfang bildet dabei meine erste USA-Reise im Jahr 2016. Sie führt mich für eine Woche nach Las Vegas, die ich größtenteils im klimatisierten Convention Center an unserem Messestand auf der NAB Show verbringe. Die Nachmittage und Abende verbringen wir irgendwo zwischen Nachbereitung, Burger essen, Entspannung im Park und einem kleinen Bisschen Sightseeing.

 

S Lamb Blvd, Las Vegas, 2016

Las Vegas, 2016

In’n’Out Burger, Las Vegas, 2016

E Twain Ave, Las Vegas, 2016

 

Die Messe geht vorbei und wir packen unsere Sachen. Mit dem Auto geht es in Richtung Westen nach Los Angeles. Die rund fünf Stunden Fahrt auf der Interstate 15 quer durch die Wüste Nevadas vergehen wie im Flug. Nach etwa eineinhalb Stunden erreichen wir unsere erste Tankstelle. Ich nutze die Gelegenheit, schnappe mir meine Kamera und erkunde für ein paar Minuten die Umgebung. Dabei fällt mir sofort „Arne’s Royal Hawaiian Motel“ auf. Es wurde 1957 eröffnet und schloss 2009 endgültig. Seitdem ist es der staubigen Wüstenluft am Rande des Death Valley überlassen. Wie gerne hätte ich hier die ein oder andere Stunde verbracht. Aber es hilft nichts, wir müssen weiter.

 

Baker, Kalifornien, USA 2016

„Arne’s Royal Hawaiian Motel“, Baker, Kalifornien, USA 2016

 

 

Nach nur etwa einer Stunde fällt uns am Straßenrand eine Werbung zwischen den anderen besonders auf. Kaffee wie in alten Zeiten heißt es da. Es ist Werbung für Peggy Sue’s 50’s Diner. Wie könnten wir so einen Laden links liegen lassen? In den niedrigen Räumen des Diners mischt sich der Duft der süßen Milchshakes und Zuckergebäcke mit dem des Filterkaffees, der ohne Pause durch die Maschinen läuft. Draußen brennt die Sonne auf die trockene Erde und im klimatisierten Diner steht die eigenwillig aromatisierte Luft.

 

„Peggy Sue’s 50’s Diner“, Yermo, Kalifornien, USA 2016

„Peggy Sue’s 50’s Diner“, Yermo, Kalifornien, USA 2016

 

Auf zur letzten Etappe. Los Angeles ist noch etwa eineinhalb Stunden entfernt. Als wir wieder Bäume und Sträucher auf den Bergen um uns herum ausmachen können ist klar, dass es bis zum Ziel nicht mehr weit ist.

 

Interstate 15, Kalifornien, USA, 2016

 

Los Angeles

In LA haben wir nur einen Geschäftstermin und können die restliche Woche an verschiedenen Stränden, in Restaurants und vor allem in der Kalifornischen Sonne verbringen. Ich erkunde zwischendurch immer wieder mit meiner Kamera die Straßen.

 

Santa Monica Pier, Los Angeles, Kalifornien, USA 2016

Los Angeles, Kalifornien, USA 2016

S La Brea Ave, Los Angeles, Kalifornien, USA 2016

Santa Monica Pier, Los Angeles, Kalifornien, USA 2016

„Japadog“, Santa Monica Pier, Los Angeles, Kalifornien, USA 2016

Los Angeles, Kalifornien, USA 2016

Ocean Ave, Los Angeles, Kalifornien, USA 2016

 

 

San Francisco / Oakland

Nachdem zwei Drittel meiner und beide Hälften der Reise der Jungs vorbei sind, steige ich in den Flieger nach San Francisco. Jürgen und André machen sich auf den Weg in Richtung Heimat. Ich habe eine Unterkunft in Oakland aufgetan. Das ist günstiger und vor allem nicht so Touristenüberlaufen. Ich laufe durch die langen, nicht enden wollenden Straßenzüge meiner Nachbarschaft und laufe dabei durch Bezirke, die meine Hosts als „sketchy“ bezeichnen.

 

Martin Luther King Jr Way, Oakland, Kalifornien, USA 2016

Martin Luther King Jr Way, Oakland, Kalifornien, USA 2016

„Temescal Alley Barber Shop“, Oakland, Kalifornien, USA 2016

San Francisco, Kalifornien, USA 2016

 

In der Nähe der Telegraph Avenue, die Berkeley und Oakland verbindet, gönne ich mir noch einen Besuch beim Barber, bevor ich einen von mehreren Tagestrips in das 20 Minuten entfernte San Francisco starte. Das Tagesticket für die historischen Cable Cars lohnt sich. Auch wenn ich einen Großteil meiner Strecken zu Fuß zurücklege und noch einmal kurz den Bus nehme.

 

San Francisco, Kalifornien, USA 2016

Golden Gate Bridge, San Francisco, Kalifornien, USA 2016

Golden Gate Bridge, San Francisco, Kalifornien, USA 2016

 

Bei einem Kaffee in der Nähe der Market Street treffe ich einen älteren Herrn. Ich spreche ihn auf sein Deutsch – Englisch Wörterbuch an und er erklärt mir, dass er Bücher mit deutschen Gedichten ins Englische übersetzt. Einfach so, weil es ihm Spaß macht. Wie man „Häuptling“ übersetze. Er käme einfach nicht drauf. Nachdem ich es ihm sage bedankt er sich freudig, packt seine Sachen und den abgegriffenen Starbucks-Becher in seine Tasche und verabschiedet sich.

 

Stranger, San Francisco, Kalifornien, USA 2016

China Town, San Francisco, Kalifornien, USA 2016

China Town, San Francisco, Kalifornien, USA 2016

China Town, San Francisco, Kalifornien, USA 2016

China Town, San Francisco, Kalifornien, USA 2016

 

Und dann neigt sich mein erster USA-Trip auch schon dem Ende. In Deutschland wartet mein bereits angebrochenes Bachelor-Semester auf mich. Für mich war das ein Abschied auf ungewisse Zeit. Denn ich wusste noch nicht, ob ich noch einmal die Chance bekommen würde, in die USA zu reisen. Aber 2016 und 2017 hielten da noch ein paar Überraschungen für mich bereit…

Und da dies hier ein Fotografie-Blog ist, möchte ich euch die technischen Details nicht vorenthalten. Ich war mit meiner treuen EOS 5D Mark II unterwegs. Als Objektive nutzte ich ausschließlich das Tamron 24-70mm 2.8, sowie das Sigma 35mm 1.4 Art. Als treuer Kamerarucksack begleitete mich der Vanguard Up-Rise 48 II.

Carolin








Carolin und ich haben uns vor einiger Zeit sozusagen auf dem Laufsteg kennengelernt. Damals hatte Carolin noch lange Haare. Und einfach so, weil sie es in ihrem Leben einmal machen wollte, schnitt sie sich die Mähne eines Tages ratzeputz ab. Kurz vor unserem Shooting hatte sie sich allerdings schon wieder dazu entschieden, die Haare wieder wachsen zu lassen. Zwei Zentimeter hatte sie bis zu diesem Tag etwa geschafft.

Als wir die ersten Fotos gemacht haben stellen wir beide fest, dass von diesen zwei Zentimetern 1,7 wieder weichen müssen. Fünf Minuten später stehen wir in Carolins Bad und ich schiebe den brummenden Rasierer in gleichmäßigen Bahnen über ihren Kopf während wir reden. Danach gehen wir wieder in ihr Zimmer. Durch das große Fenster fällt das kühle Licht des verregneten Tages weich in den Raum.

Carolin ertastet die samtig raue Struktur ihrer Couch. Die Wärme der nackten Haut ihrer Arme bricht das kühl abstrahlende Licht. Gemeinsam tasten wir uns Schritt für Schritt auf die Couch vor. Carolin vor, ich hinter der Kamera. Als sie sich das erste Mal auf das Sofa setzt strahlt Carolin eine Selbstsicherheit aus, wie ich sie in diesem Shooting von ihr noch nicht kannte. Aber sie bleibt zwischen den Zeilen des Schweigens trotzdem subtil mit Carolins ruhiger Ausstrahlung verwoben. Dieses dichte atmosphärische Geflecht, gepaart mit der Durchdringung des flächenhaft angeschnittenen Arrangements, macht für mich den Reiz dieser Serie mit diesem außergewöhnlichen Menschen aus.

Vielen Dank für dein Vertrauen Carolin.

Vincent Littlehat IV


Was soll ich zu Vincent noch viel schreiben? Zu diesem Tag? Zu diesem Shooting? Die Stunden vergehen wie im Flug. Wir überziehen die vereinbarte Zeit und haben dabei großen Spaß. Ich entdecke wieder und wieder die vielen Gründe, die mich an die Fotografie fesseln. Diese Szenen im Kopf zu erleben, in Realität zu sehen und durch die Kamera neu zu erfinden und vermeintlich zu dokumentieren. Es ist diese Grenze zwischen Bild und Abbild, die schon Sigfried Kracauer und Walter Benjamin diskutieren. Ist es echt, was ich da zeige oder nur ein Zerrbild meiner Fantasie, dargestellt durch mehr oder weniger willkürliche Arrangements?

Eine Frage, die mich schon seit sehr langer Zeit begleitet und immer wieder aufs Neue fasziniert. Ich denke, es ist unmöglich, die Realität wiederzugeben. Manchmal frage ich mich, ob ich daher nicht eigentlich viel abstrakter und experimenteller werden müsste. Oder ob ich mich weiter versuche, der Authentizität anzunähern, die in ihrer Vollendung immer unerreichbar bleiben wird. Lohnt es sich, diesen Anspruch weiter zu verfolgen oder sollte ich eigentlich noch viel mehr „Realität“ konstruieren? Beides ist spannend, birgt seine Reize und Schattenseiten. Am Ende bleibt festzuhalten: Ich muss viel viel mehr machen. Mehr Fotos. Mehr Menschen treffen und kennenlernen. Dann kann ich den Antworten auf diese Fragen vielleicht ein Stück näher kommen.

Frohe Weihnachten!

Karen

„It’s not really my problem if they think I’m weird.“
― Sid Vicious