Katja II


 

Das Licht in Hamburg wollte an diesem Tag nicht besser werden. Kein Hindernis für Katja und mich. Die gemütliche Küche in der mollig warm geheizten Wohnung wird durch die große Fensterfront von diffusem Licht durchflutet. Ich gehe zwischenzeitlich auf den kalten Balkon und wage einen Blick von außen. Durch das Glas verstehen wir uns auch ohne Worte. Ich gestikuliere teils herum, Katja interpretiert meine Gestern und durchdringt dann mit ihrem Blick die Kamera.
Danach geht es wieder ins Schlafzimmer…

Jana II


 


Jana und ich räumen den großen Teppich zur Seite, der unter dem massiven Tisch den Blick auf den abgewetzten Dielenboden versperrt. Die Dielen sind breit und von unzähligen Feiern und After-Hour-Partys abgewetzt. An der Wand hinter uns hängen die großen Boxen, die sicher die ein oder andere Geschichte erzählen können. Genau wie die landkartenhaft durch das Holz auf getriebenen Kratzer auf dem Boden. Das Licht an diesem Tag ist und bleibt eine Herausforderung. Jana hingegen macht es mir nicht im Ansatz schwer, sie abzulichten, weiß sie doch sehr genau, wie sie sich zu bewegen hat und wie sie mit ihrem Blick die Kamera durchdringt…

Anna



 

Anna und ich kennen uns eigentlich garnicht, haben uns nur flüchtig bei unserer Abschlussprüfung zum Mediengestalter bzw. zur Mediengestalterin „kennengelernt“. Irgendwie blieb aber der Kontakt sehr lose bestehen und als ich dann im Februar Hamburg einen Besuch abstatte, treffen wir uns auf einen Kaffee. Anna erzählt mir während unseres Gesprächs, dass sie mich eigentlich schon immer einmal fragen wollte, ob ich mir vorstellen könnte, sie einmal zu fotografieren. Als hätte ich es geahnt, habe ich meine Fotoausrüstung eingepackt. Sie ist selbst Fotografin und Künstlerin und sieht sich selbst eher ungern vor der Kamera. Allen Mut zusammengefasst, steht sie wenige Augenblicke nach unserer spontanen Entscheidung, das Shooting nun wirklich zu machen, im Body vor mir.

Wir tasten uns langsam an die Situation heran. Immer wieder werden kleine Unsicherheiten aus dem Weg geräumt, hier und da ein Moment innegehalten. Anna schlägt sich gut – sehr gut sogar – entwickelt mit der Zeit ein Gefühl für die Situation. Sie lässt sich fallen in diesem Moment, der so intim ist und für uns beide überraschend. Und nachdem wir anfänglich viel geredet hatten, kehrt langsam Ruhe ein und ich halte die Momente in der Stille fest. Von draußen strahlt die Sonne in die kleine Wohnung und wärmt die Haut und durch das weit offene Fenster strömt kühle Luft über das Hochbett.

Ich danke dir für dein tiefes Vertrauen und diesen schönen Nachmittag, Anna. Bis demnächst!

Maryam

Schon in meinen Aachener Zeiten war das Café Kittel immer wieder ein Ort für gesellige Ruhe, guten Kaffee und kühles Bier. Mit Maryam treffe ich mich an meinem Besuchstag in der regnerisch-diesigen Kaiserstadt. Wir haben uns damals kennengelernt, in den letzten Jahren ein bisschen aus den Augen verloren und vor einiger Zeit auf Instagram wiedergefunden.

Seitdem schrieben wir dann und wann. Und dann trafen wir uns nach über 5 Jahren wieder. Beide verändert. Äußerlich wie innerlich. Aber nach wie vor auf einem Level. Nach wie vor fähig, gemeinsam mehrere Stunden mit Gesprächen zu füllen. Nebenbei trinken wir Kaffee und später Bier. Hier und da ein Foto. Die Gäste um uns herum gucken nur kurz und widmen sich dann wieder ihren Getränken, Laptops und GesprächspartnerInnen.

Draußen wird es dunkel. Das Licht schimmert noch einmal in kräftigem Blau und mischt sich mit dem Grün der Werbetafel im großen Schaufenster, in dem wir zwischenzeitlich sitzen. Während vor einer Stunde der Laden noch sehr voll, fast jeder Tisch besetzt war, sind nun einige der Gäste wieder gegangen. Die Tische um uns herum sind frei und die tief hängenden Lampen spenden ihr Licht in gelben Kegeln. Maryam sieht zur Kamera, wie zu einem Fremden am Tisch nebenan. Der, der da schon seit einer Weile sitzt und mit dem man etwas gemeinsam hat: die Zeit, die man in diesem Café verbringt. Eine vergängliche Begegnung, der man kurz Bedeutung beimisst und dann wieder vergisst. Aber der Moment ist lebendig und die Blicke werden es dadurch auch.

Vielen Dank für diesen schönen Nachmittag und Abend, dein Vertrauen und die guten Gespräche. Bis bald.

Wilma II





Der Nachbar, der wutentbrannt seinen Balkon betritt, verweist uns mit harschem Ton „seines“ Daches und wir stehen kurz etwas perplex in der Kälte. Aber es ist ja nicht so, dass sich um uns herum nicht eine kleine Landschaft aus leicht gefrosteten Dächern erstreckt. Also Sachen gepackt. Etwas gekraxelt. Zack feddich – nächstes Dach. Auch gut.

Die Zäsur wirft uns aus dem Moment. Gar nicht so schlecht eigentlich. Das kann man nutzen. Also ändern wir ein paar Kleinigkeiten. Wilma lässt den Mantel fallen und ich reiche ihr einen breiten, grauen Schal. Die -10°C merke ich ihr nicht an. Meine Finger hingegen, sind mittlerweile rot und von der Kälte steif. Wilma jammert nicht, ist auf eine besondere Art und Weise bei sich. Ich muss nur wenig sagen, damit wir uns verstehen und sehe in der Situation die Bilder, die ich nur noch einfangen muss.

Und dann hebt Wilma die Arme und den Schal…