Sarah Rawk






Sarah fragt mich am Tag vor dem Shooting um 8 Uhr abends, ob ich am nächsten Morgen um etwa 10 Uhr spontan Zeit für ein Shooting hätte. Sie sei spontan für einen Vormittag in der Stadt. Spontan? Kann ich. Wenige Wochen vorher hatten wir das erste Mal Kontakt. Sie, eine der schönsten Veganerinnen Deutschlands, ist mir schon länger aufgefallen. Und jetzt geht alles so schnell. Sarah schickt mir Fotos von möglichen Outfits, ich schlage ihr Locations vor. Nur um am nächsten Morgen festzustellen, dass die favorisierte Location in der kalten Realität nicht im Ansatz unseren Vorstellungen entspricht.

Bei  -12°C ziehen wir also weiter und finden einen Waschsalon. Warm, es riecht nach Waschmittel und die eine Leuchstoffröhre an der Decke liefert sich einen erbitterten Kampf mit dem Tageslicht, das durch die großen Fenster in den ansonsten Menschenleeren Raum fällt. Nachdem die leicht irritierten Betreiberinnen des Waschsalons uns ihre Räumlichkeiten netterweise zur Verfügung stellen, legen wir los. Nach einigen Fotos, einem weiteren Spaziergang, Tee und einer abschließenden 10-Minuten-Session haben wir unsere Fotos im Kasten und müssen zur Tram joggen, um unsere Züge nach Hause zu erwischen. Ein Abschluss-Selfie im Bahnhof, dann trennen sich unsere Wege. Aber nicht, ohne, dass wir uns lose auf ein weiteres Shooting im Sommer verabreden.

Eines meiner spontansten Shootings der letzten Jahre. Danke fürs Überrumpeln Sarah. Bis bald! :)

Vincent Littlehat V







Über ein Jahr ist es schon her, dass ich dieses Set mit der wunderbaren Vincent Littlehat geshootet habe. Ihr Freigeist und das vollkommene Ausklammern von möglichen gesellschaftlich auferlegten Normen inspirieren mich immer wieder. Die daraus sprießende Kreativität tut meinen Shootings gut. Ich versuche immer wieder ein bisschen Kontrolle abzugeben. Und das fällt bei ihr besonders leicht.

Es war ein schönes Wiedersehen und wir haben uns schon lose für das nächste Mal verabredet. Ich bin gespannt und freue mich darauf.

Seattle 2016

Nachdem mein erster Trip in die USA fünf Monate zurücklag, ging es im Oktober 2016 relativ spontan für eine Woche wieder in die USA. Diesmal in den schönen Nordwesten nach Seattle – die Geburtsstadt von Nirvana. Neben Workshops, Präsentieren und Networking für fayteq auf der Adobe Video World, blieb ein bisschen Zeit, die Stadt zu erkunden.

 

Space Needle, Seattle, USA 2016

 

Mein Kumpel Kevin Johnston, den ich im Sommer auf seiner Tour in Deutschland kennengelernt hatte, stellte für mich den Kontakt zu seiner Freundin Debbie in Seattle her. Sie zeigte mir die Gegend rund um den Pike Place Market. Wir schlenderten über den historischen Public Market, aßen Grilled Cheese Sandwiches, liefen durch die umliegenden Straßen und Gassen und redeten. Zwischendrin hielt ich meine Eindrücke mit meiner Kamera fest.

 

Public Market Center, Seattle, USA 2016

Farmers Market, Seattle, USA 2016

Seattle, USA 2016

Public Market Center, Seattle, USA 2016

„Gum Wall“, Seattle, USA 2016

 

Am Abend, ich war wieder allein unterwegs, sah ich mich nach Ladenschluss noch ein letztes Mal im Public Market um. Wo sich tagsüber noch Menschenmassen durch die Gänge schoben liegt jetzt nur noch der leichte Duft von frischem Fisch und Gewürzen in der Luft. Die frisch geputzten Edelstahloberflächen reflektieren die letzten Strahlen der untergehenden Sonne und mischen sich mit dem bunten Licht Neon-Leuchtreklamen. Eine Frau erledigt in einem mit Planen abgehängten Raum noch Papierkram und die letzten Kundinnen und Kunden streifen durch die gefliesten Gänge. Dann stießen meine Kollegen zu mir und wir genossen noch zwei, drei Bierchen im nahegelegenen Old Stove. Dann ab nach Hause – der nächste Tag würde wieder lang werden.

 

 

Old Stove Brewing Comp., Seattle, USA 2016

Curfew at Public Market, Seattle, USA 2016

Curfew at Public Market, Seattle, USA 2016

Beecher’s Handmade Cheese, Pike Place, Seattle, USA 2016

Public Market, Seattle, USA 2016

Sunset at Public Market, Seattle, USA 2016

Sunset at Public Market, Seattle, USA 2016

 

Wie schon in San Francisco verließ ich mich beim Erkunden der Stadt auf meine Füße. Zwar sehe ich so nicht so viel von der Stadt, als würde ich sie mit Bus und Bahn erfahren, kann mich aber vielmehr auf die Eindrücke um mich herum einlassen. Es ist ein anderes, langsameres Erkunden. Manchmal nervt es mich selbst, doch meistens genieße ich es. Zum Beispiel, wenn ich in Gegenden komme, in die man normalerweise nicht fahren würde.

 

 

7-Eleven, Denny Way, Seattle, USA 2016

Elephant Car Wash, Aurora Ave, Seattle, USA 2016

Aalaskan Way Viaduct, Seattle, USA 2016

Aalaskan Way Viaduct, Seattle, USA 2016

 

Als Besucher der Geburtsstadt des Grunge, fuhren Jürgen und ich zum ehemaligen Wohnhaus von Kurt Cobain, wo er 1994 dem traurigen Club der 27er beitrat. Ein ruhiger Ort ohne Touristen. Eine normale Nachbarschaft. Das Haus Umgeben von Hohen Bäumen und Hecken. Irgendwie kam ich mir hier etwas fehl am Platz vor. Trotzdem wollte ich diesen Ort unbedingt besuchen und fotografieren.

 

 

Kurt Cobain’s House, Lake Washington Blvd E, Seattle, USA 2016

Lake Washington Blvd E, Seattle, USA 2016

Lake Washington Blvd E, Seattle, USA 2016

 

An meinem letzten freien Abend machte ich noch einmal die Stadt mit meiner Kamera unsicher. Und traf dabei auf Scott. Scott ist ein, zu diesem Zeitpunkt 30-jähriger, Veteran, den ich im Central Saloon kennenlerne. Er lädt mich auf einen Whisky ein, während wir ins Gespräch kommen. Bald unterhalten wir uns mit allen Angestellten und die Getränke gehen aufs Haus. Als die Bar, in der sich schon Soundgarden, Nirvana, Alice in Chains und andere große Namen die Ehre gaben, für eine Privatveranstaltung schließt müssen wir trotz, mittlerweile etwas undeutlich gesprochener Widerworte von Scott gehen. Es ist gerade einmal 5 Uhr nachmittags. Er besteht darauf, dass wir in die nächste Bar ziehen. Ich, mein gesamtes Equipment noch auf den Rücken und zu Hause warten wahrscheinlich schon das frisch gegrillte Steak und meine Kollegen / Chefs.

 

 

Central Saloon, Seattle, USA 2017

„fuel“ (Bar), Seattle, USA 2017

„fuel“ (Bar), Seattle, USA 2017

 

Aber natürlich gehe ich noch mit. Als Scott erfolglos versucht, die Barkeeperinnen für uns zu begeistern, wird mir die Situation langsam unangenehm. Ich bestelle mir ein Uber-Taxi als Scott gerade auf dem Klo ist. Die Bedienungen zeigen Verständnis für meine Flucht. Scott kommt wieder und als ich ihm sage, dass ich jetzt leider gehen muss, wird er etwas ungehalten. Ich verlasse die Bar namens „fuel“, die in einer eher abgelegenen Straße liegt, und mache noch ein paar Fotos. Die Barkeeperinnen halten Scott in der Bar noch etwas auf und ich fahre im Taxi, leicht beschwipst, durch die Nacht zurück nach Bellevue. Es ist etwa 18:30 Uhr und zu Hause wartet das gerade gar gewordene Steak und ein kaltes Bier. Am nächsten Tag fliegen wir zurück nach Deutschland. Ein verrückter Kurztrip mit interessanten Bekanntschaften in einer interessanten Stadt.

Auch in Seattle begleiteten mich, wie schon in LA und San Francisco, meine Canon EOS 5D Mark II, das Sigma 35mm 1.4 Art und das Tamron 24-70 2.8. Sicher und bequem verpackt in meinem Vanguard Up-Rise II 48.

Frieda








 

 

Wollen wir uns täuschen lassen? Ist das „Echt“ wirklich wichtig? Oder ist es vielmehr die Ästhetik und Projektion unserer eigenen Wünsche und Erfahrungen, die uns fasziniert?

 

 

 

Annemarie







Annemarie und ich haben bereits 2016 zusammen geshootet (1, 2, 3, 4, 5). Im August letzten Jahres haben wir es noch einmal gewagt. Ursprünglich planten wir ein Shooting im Wasser der Saale. Als wir dort ankamen, überraschte uns Wasser von ganz anderer Seite: von oben. Es regnete wie aus Kübeln und uns blieb nur die Flucht in ein nahegelegenes Café. Nach einem Tee und kurzem Schnack beschlossen wir, etwas geknickt, zurück zu mir zu fahren und zu sehen, was wir mit dem angebrochenen Tag anstellen. Wir entschlossen uns zu einer Session im ausgehenden Abendlicht. Dann, nach einigen Fotos in aller Ruhe und ohne viele Worte sahen wir zufrieden auf die kleine Auswahl an Bildern, die wir zusammen geschaffen hatten. Anders als geplant, aber schön.