Las Vegas x Philadelphia x New York

April 2017. Es ist meine letzte Reise in die USA, die ich für fayteq mache. Eine Woche Las Vegas. Eine Woche den Mund fusselig reden, Menschen kennenlernen und freundlich professionell den Messestand in der sehr kühl klimatisierten South Hall des Las Vegas-Convention-Centers betreuen. Abends und an einem Off-Day streife ich mit meinen Kollegen Jürgen und Markus noch etwas über den bunt beleuchteten Strip.

Somewhere near Las Vegas, NV
Hoover Dam, Las Vegas, NV
Hoover Dam, Las Vegas, NV
Pinball Hall of Fame, Las Vegas, NV
Pinball Hall of Fame, Las Vegas, NV

An einem Abend findet ein Event in den heiligen Hallen eines der Pinball Hall of Fame statt. Flipperautomat reiht sich an Flipperautomat. Es klingelt, blinkt und bimmelt überall. Am Nachmittag waren wir noch, in der sengenden Hitze Nevadas, am Hoover Dam an der Grenze zu Arizona. Die Luft steht hier und die Sonne brennt unerbitterlich vom fast wolkenlosen Himmel. Ein bisschen Touri-Action muss schon sein, wenn man schon mal da ist. Viel gibt mir diese Stadt aber auch beim zweiten Besuch nicht. Die Millionen Lichter und der Aufwand, der betrieben wird, um Touristen zum Geldausgeben zu bewegen sind beeindruckend – ja. Aber die Stadt reizt mich nicht sonderlich. Ich bin hier zum Arbeiten.

Philadelphia, 2017 (Scan of film positive)
Fish Market, Philadelphia, 2017
Fish Market, Philadelphia, 2017 (Scan of film positive)
Fish Market, Philadelphia, 2017
Fish Market, Philadelphia, 2017 (Scan of film positive)
Fish Market, Philadelphia, 2017 (Scan of film positive)
Fish Market, Philadelphia
Fish Market, Philadelphia, 2017 (Scan of film positive)
Fish Market, Philadelphia, 2017 (Scan of film positive)

Im Anschluss gönne ich mir, wie im Jahr davor auch schon, noch zwei Wochen Urlaub alleine. Diesmal geht es in Richtung Ostküste. In Philadelphia holt mich Barbara vom Flughafen ab. Ich lerne sie über unsere gemeinsamen Freunde von leavinghomefunktion kennen. Barbara ist unglaublich gastfreundlich. Sie zeigt mir, auf der etwa halbstündigen Fahrt zu ihrem Haus, Teile von Philadelphia, gibt mir Tipps für Orte, die ich mir ansehen sollte und lädt mich für den Abend zu einem gemeinsamen Treffen mit Freunden in eine Bar ein. Hier lerne ich unter anderem Roland kennen. Er betreibt eine Moto Guzzi Werkstatt in der Old City und hat ein Fable für Europäische Autos, fährt selbst einen Peugeot.

The Spare Parts Company, Philadelphia, 2017 (Scan of film positive)
The Spare Parts Company, Philadelphia
The Spare Parts Company, Philadelphia

In ihrem gemütlichen und wunderschön eingerichteten kleinen Haus in Bluebell Hill beziehe ich ein ebenso kleines aber gemütliches Zimmer. Neben dem Bett ist kaum Platz für meinen Koffer und meinen Kamerarucksack. Abes ich mag es hier. Ich verbringe einige schöne Tage in Philadelphia. Eigentlich wollte ich nur ein, zwei Nächte bleiben. Es werden fünf.

May Day, Philadelphia, 2017
May Day, Philadelphia, 2017
City Hall, Philadelphia, 2017 (Scan of film positive)

Ich erlebe den 1. Mai in Philly. Ein Demonstrationszug schlängelt sich durch die breiten Straßen. Was mich überrascht: unter den Flaggen der Antifa auch eine der Antifaschistischen Aktion Deutschland. Ich begleite den Zug eine Weile, höre mir die Kundgebung vor der historischen City Hall an und ziehe dann weiter, um mir die Stadt anzusehen. Von unauffälligen Seitenstraßen bis hin Sehenswürdigkeiten wie der Liberty Bell. Dann treffe ich Roland bei sich zu Hause. Ein gemütlicher Altbau in einem ruhigen Viertel. Nachdem ich mich kurz geduscht habe – es ist sehr warm an diesem Tag – drehen wir in seinem Peugeot eine Runde durch die Stadt, bevor wir uns abends wieder mit Barbara treffen.

Kikagaku Moyo @ Johnny Brenda’s, Philadelphia, 2017
Kikagaku Moyo @ Johnny Brenda’s, Philadelphia, 2017
View from Johnny Brenda’s, Philadelphia, 2017

An meinem letzten Abend in Philadelphia treffen wir uns abends mit einigen Freunden im Johnny Brenda’s. Kikagaku Moyo feiern mit einem Konzert im Johnny Brenda’s den Auftakt ihrer North America Tour 2017 als Vorband von Mono. Meine Kamera habe ich natürlich dabei. Ich mag diese Stadt immer mehr und bin froh, länger geblieben zu sein. Am nächsten Morgen bricht mein letzter Tag in Philadelphia an, bevor es mit dem Greyhound weiter nach New York geht. Ich verbummle ihn ein bisschen in der Stadt und treffe in einem Café Sage. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen für ein Shooting in ihrer Wohnung, wo wir eine Reihe wunderbarer Fotos schießen, viel Reden und Kaffee trinken. Die Fotos werde ich allerdings niemals veröffentlichen. Auf ihren Wunsch.
Wir vergessen über den Fotos die Zeit und ich verpasse fast meinen Bus Richtung Osten.

Geyhound: Philadelphia – New York, 2017
Times Square New York, 2017
Times Square New York, 2017

Nach einer etwa zweistündigen Reise für gerade einmal $10 stehe ich dann mitten in New York. Mein Airbnb liegt im Herzen Brooklyns in der Monroe Street. Eine Gegend, in der ich mich ziemlich wohlfühle. Die Tage verbringe ich mit langen „Spaziergängen“ durch diese riesige Stadt. Gelegentlich kürze ich mit der Metro ab, schippere mal rüber zur Freiheitsstatue und genieße den Blick vom Rockefeller Center. Das alles gibt mir wesentlich mehr als Vegas. Auch hier lerne ich Freunde meiner Freunde der Motorrad-Crew aus Halle kennen, die mit ihren URAL Motorrädern die Welt umrundeten.

New York, NY, 2017 (Scan of film positive)
Statue of Liberty, New York, NY, 2017 (Scan of film positive)
Hot Dog near St. Patrick’s Cathedral, New York, NY
Brooklyn Bridge, New York, NY
Park Central Hotel, 7th Ave, New York, NY

Für Shmuel, der das spiegel in Lower Manhattan betreibt, habe ich ein Geschenk der URAL-Gang dabei. Wir unterhalten uns ein wenig bei einem Getränk und Shmuel bietet wie selbstverständlich sein Motorrad an, um in der Stadt mobiler zu sein. Dass ich nicht mal einen Motorradführerschein habe kann er nicht verstehen und fragt noch mehrere Male ungläubig nach.
Abends treffe ich noch Tony und Marc in der Union Garage in Brooklyn bei einem Reisevortrag, bevor mein letzter Tag in New York anbricht.

Broadway, Brooklyn, New York, NY
Gates Avenue Station, Brooklyn, New York, NY
Brooklyn, New York, NY, 2017 (Scan of film positive)
Brooklyn, New York, NY, 2017 (Scan of film positive)
Brooklyn, New York, NY, 2017 (Scan of film positive)

Auch am letzten Tag laufe ich wieder viel herum, erkunde meine Nachbarschaft in Brooklyn und komme auf die Idee noch ein Konzert besuchen zu wollen. Abends spielen Dinosaur Pile-Up, Royal Republic und Frank Carter and his Rattlesnakes im Studio @ Webster Hall. Vielleicht erinnert sich der / die ein oder andere an die Serie mit Gloria und ihrem Freund, die ich nach dem Konzert noch in der Nacht fotografiert habe. Die Fotos des Konzerts gibt es dann innerhalb der nächsten Tage in einem separaten Post.

Die Taschen stehen in dieser Nacht schon gepackt zu Hause. Am nächsten Morgen um 11 Uhr geht es dann schon wieder zurück nach Deutschland. Dieses Jahr habe ich es leider nicht in die USA geschafft. Dafür hoffentlich wieder nächstes Jahr. Die Kamera wird wieder dabei sein.

Nerdfacts: Begleitet hat mich auch dieses Mal wieder mein Arbeitstier, die Canon 5D Mark II. Als Linsen waren das Tamron 24 – 70 mm 2.8 und das Sigma 35 mm 1.4 Art dabei. Gespeichert wird auf einer SanDisk Extreme Pro 32 GB und vier SanDisk Extreme Pro 8 GB Speicherkarten.

Die analogen Fotos schoss ich mit der Nikon FG durch ein Nikkor 50 mm 1.8 auf 1992 abgelaufenem Agfa CT Precisa Agfachrome 200. Da der Film zum Zeitpunkt der Fotos etwa 25 Jahre abgelaufen und schlecht gelagert war, sind auf den Fotos diese wunderbaren Punkte entstanden. Interessant. Gescannt vom Negativ mit einem Canon CanoScan 9000F.


Friederike

Halb sieben morgens. Anfang November irgendwo an Halles Stadtrand. Bei ungefähr sieben Grad schlüpft Friederike aus ihren warmen Klamotten und freundet sich langsam mit dem riesigen Haufen Zuckerrüben an. Eigentlich hatten wir auf Nebel gehofft. Aber der Wetterbericht lies schon am Vorabend nichts Gutes vermuten. Egal. Wir hatten letztlich endlich einen Termin gefunden.

Durch die klare Luft und das klare, schattenlose Morgenlicht flattern hier und da kleine Schwärme von Krähen. Die Erde verströmt ihr kühles Aroma. Ich rieche es, als ich mich mit meiner Kamera ganz flach hinknie um einen neuen Bildausschnitt zu finden. Zwei Spaziergänger laufen kopfwendend und wortlos mit ihren Hunden an uns vorbei – den Blick weitestgehend versperrt durch die Zuckerrüben.

Doro

Wir lernen uns im Roten Horizont kennen, als ich mich gerade mit meinem Freund Karl auf einen Tee treffe. Doro setzt sich mit einer Freundin zu uns an den Tisch.

Einige Wochen später frage ich Doro, ob sie sich für ein paar Fotos vor meine Kamera trauen würde. Sie ist sofort begeistert und ein paar Tage später finden wir uns in meiner Nachbarwohnung wieder. Während im Hintergrund Musik von Tash Sultana läuft, scheint die Mittagssonne nur indirekt in das Zimmer. Mit einem Blick aus dem alten Fenster sehe ich unseren vertrauten Innenhof aus einer ungewohnten Perspektive. Das Dach aus Weinblättern erstreckt sich kräftig grün unter uns und zitiert noch einmal den vergangenen Sommer. Bald wird sich nur noch ein grau-braunes Gerippe aus dünnen Ästen über die darunterliegende Holzkonstruktion ranken.

Während meiner Beobachtungen hat es sich Doro auf dem großen Bett gemütlich gemacht. Die weiße Decke auf dem Bett reflektiert sanft das Licht und Doro wird immer selbstsicherer. Zwischendrin zeige ich ihr ein paar der schon entstandenen Fotos bevor wir uns wieder der Ruhe und Fotografie widmen.

Mini

Eigentlich sollte es mich zwischen Ende August und Anfang September mit dem VW Bus nach Slowenien führen. Doch es kam leider alles anders als erwartet und ich brauchte kurzfristig eine Alternative. Weg aus Halle, raus aus dem Gewohnten. Nach vier Tagen in meiner fränkischen Heimat ging es über Münster nach Hamburg, wo mir die liebe Pi für ein paar Tage die Wohnung einer Freundin vermittelte.

Ich wollte mir von der norddeutschen Luft mal etwas den Platz zwischen den Ohren freipusten lassen, durchatmen, Freundinnen und Freunde treffen und – natürlich – ein bisschen fotografieren. Wenn es sich ergeben sollte.

Bei einem Bier mit Pi und Robin in der Flora überlegen wir, wer vor meine Kamera passen könnte. Ich frage Mini. Sie freut sich, wir verabreden uns und treffen uns einen Abend später an der Sternschanze und ziehen los. Halbwegs ziellos mit Limo und Bier in den Händen.

Zwischen Gesprächen, ein bisschen Spökes und den bunt strahlenden Lichtern der Hansestadt hole ich gelegentlich die Kamera heraus. Rotlicht vor dem Erotikkino. Kaltes Leuchtstoffröhren-Licht in einem vollgetaggten Hauseingang. Buntes Allerlei in einem Kiosk. Mini ist vor der Kamera praktisch immer in Bewegung. Der Blick mal hier und im nächsten Moment ganz woanders. Ich begleite uns mit der Kamera auf unserem Weg durch die Straßen.

Am Ende steigen wir nach ein paar letzten Fotos im S-Bahnhof St. Pauli in die U3, trinken noch ein Getränk in der Sofabar und verabschieden uns. Nicht, ohne uns gleich lose für ein nächstes Shooting zu verabreden. Ich komme jetzt wohl öfter vorbei, liebes Hamburg.

Danke und bis bald.

Anne

Anders als der Nebel, den ich gerade über dem Thüringischen Land vor meinem Zugfenster sehe sind die Bilder mit Anne klar. Das kräftige Licht der Abendsonne scheint hell in die Räume des Eiermann-Baus in Apolda. Die ebenso klaren Linien der fast hundert Jahre alten Architektur haben mich schon beim ersten Betreten wenige Tage zuvor fasziniert. Annes Anfrage kam da wie gerufen. Ich sah sie vor meinem geistigen Auge schon im Licht stehen und von den scharfkantigen Schatten förmlich an- und durchgeschnitten im Raum stehen. Es ist warm an diesem Mittwoch im August und wir beiden kommen in dem großen Raum ins Schwitzen. Ich mag den Glanz menschlicher Haut im Sommer auf meinen Fotos. Er erzählt manchmal mehr als stumpf gepuderte Haut.